Wohnung zu kalt
Mindesttemperatur in der Mietwohnung: Diese Werte muss deine Heizung schaffen
Antwort in 20 Sekunden: Die Heizung muss in Wohnräumen tagsüber (etwa 6–23 Uhr) 20–22 °C erreichen können, im Bad eher 21–22 °C, nachts genügen 18 °C. Als Heizperiode gilt üblicherweise der 1. Oktober bis 30. April. Werden die Werte dauerhaft unterschritten, liegt ein Mangel vor – mit Anspruch auf Abhilfe und Mietminderung.
Stand: August 2026 · geprüft von Ben Ambros, Immobilienkaufmann, 13 Jahre Hausverwaltung
Mindesttemperaturen nach Raum: die Richtwerte der Gerichte
Ein Gesetz mit Gradzahlen gibt es nicht – die Werte kommen aus jahrzehntelanger Rechtsprechung und den technischen Regeln, an denen sich die Gerichte orientieren. Die Linie ist stabil:
| Raum | tagsüber (ca. 6–23 Uhr) | nachts |
| Wohnzimmer, Kinderzimmer, Küche | 20–22 °C | 18 °C |
| Bad | 21–22 °C | 18 °C |
| Schlafzimmer | 20 °C | 18 °C (16 °C werden teils noch toleriert) |
| Flur, Nebenräume | 18 °C | 18 °C |
Die Linie der Rechtsprechung: Tagsüber 20–22 °C in Wohnräumen, nachts 18 °C – eine vertragliche Klausel, die tagsüber weniger als 20 °C zusichert, benachteiligt den Mieter unangemessen und ist unwirksam. Maßgeblich ist, was die Heizung erreichen kann, gemessen in Raummitte.
Heizperiode – und was außerhalb gilt
Üblich (und in vielen Mietverträgen fixiert) ist der 1. Oktober bis 30. April. Aber die Pflicht hängt nicht am Kalender: Sinkt die Wohnung auch im Mai oder September mehrere Tage spürbar unter etwa 18 °C, muss der Vermieter die Heizung anwerfen. Umgekehrt darf die Zentralheizung nachts abgesenkt werden – nur eben nicht unter die 18-Grad-Marke.
Das Temperatur-Protokoll: So machst du aus „mir ist kalt“ einen Beweis
Vor Gericht (und schon im Streit mit der Verwaltung) zählt nicht dein Empfinden, sondern die Messung. So geht es sauber:
- Thermometer in Raummitte, etwa 1 m Höhe – nicht am Fenster, nicht über dem Heizkörper
- Zweimal täglich messen (z. B. 8 und 20 Uhr), Thermostat dabei voll aufgedreht
- Datum, Uhrzeit, Raum, Außentemperatur notieren – Foto von Thermometer samt Tageszeitung oder Handy-Datum
- Mindestens über drei bis fünf Tage führen, bevor du minderst
Aus 13 Jahren VerwaltungZwei Dinge habe ich immer wieder erlebt. Erstens: Nach der jährlichen Heizungswartung war die Nachtabsenkung falsch programmiert – die Anlage fuhr erst um 8 oder 9 Uhr hoch, und prünktlich im November kamen die „morgens eiskalt“-Anrufe. Wer morgens um 7 konstant 17 °C misst, hat fast immer ein Programmier-, kein Defektproblem – das ist für den Vermieter in zehn Minuten behoben, wenn man es ihm so benennt. Zweitens: Ein einzelner kalter Heizkörper bei sonst warmer Wohnung ist meist Luft im System oder ein hängendes Ventil – auch das gehört gemeldet, rechtfertigt aber selten eine Minderung der Gesamtmiete. Sag im Mängelschreiben präzise, welcher Raum wann wie kalt ist – das beschleunigt die Lösung enorm.
Zu kalt trotz Meldung: Minderung & Co.
Bleibt es unter den Richtwerten, ist die Miete kraft Gesetzes gemindert – je nach Ausmaß von wenigen Prozent bis (bei Komplettausfall im Winter) 100 %. Die Einordnung mit Rechner steht in der Mietminderungs-Tabelle; was bei einem echten Heizungsausfall Schritt für Schritt zu tun ist, auf Heizung kaputt. Erster Schritt bleibt immer die Mängelanzeige mit Frist – ohne Meldung keine Minderung ohne Risiko.
Mitglieder lösen das soWohnung zu kalt – in 2 Minuten reagiert
- Mängelanzeige Heizung mit Temperatur-Protokoll-Absatz
- Fristsetzung, wenn nichts passiert – mit Minderungsankündigung
- Foto-Einordnung: welche Minderungsquote realistisch ist
- Direktversand ans Vermieter-Postfach mit Zugangsnachweis
Grundlagen
§§ 535, 536 BGB: gesetze-im-internet.de · ständige Rechtsprechung zu Mindesttemperaturen (u. a. LG Berlin, AG Hamburg) · technische Orientierung: DIN EN 12831
Häufige Fragen
Wie warm muss eine Mietwohnung mindestens sein?
Tagsüber (ca. 6–23 Uhr) 20–22 °C in Wohnräumen und im Bad, nachts genügen 18 °C. Maßgeblich ist, was die Heizung erreichen kann – gemessen in Raummitte, nicht am Fenster.
Darf der Vermieter die Heizung nachts ganz abstellen?
Absenken ja, abstellen nein: Auch nachts müssen etwa 18 °C erreichbar bleiben. Vertragsklauseln, die weniger zusichern, benachteiligen dich unangemessen und sind unwirksam.
Gilt die Heizpflicht auch im Sommer?
Ja, wenn es nötig wird: Fällt die Wohnung auch im Mai oder September mehrere Tage spürbar unter etwa 18 °C, muss der Vermieter die Heizung in Betrieb nehmen – die Pflicht hängt an der Temperatur, nicht am Kalender.
Wie messe ich die Raumtemperatur beweissicher?
In Raummitte auf etwa 1 m Höhe, zweimal täglich über drei bis fünf Tage, mit Datum, Uhrzeit, Raum und Foto dokumentiert – Thermostat dabei voll aufgedreht. Das Protokoll ist die Grundlage für Mängelanzeige und Minderung.
Mein Vermieter sagt, 18 °C tagsüber reichen – stimmt das?
Nein. Tagsüber gelten 20–22 °C in Wohnräumen als Untergrenze; 18 °C genügen nur nachts und in Nebenräumen wie dem Flur. Eine Vertragsklausel mit weniger ist unwirksam.
Ab wann darf ich wegen zu kalter Wohnung die Miete mindern?
Sobald die Richtwerte trotz Mängelanzeige dauerhaft unterschritten werden. Die Quote hängt vom Ausmaß ab – Einordnung samt Rechner in der
Mietminderungs-Tabelle. Wichtig: erst melden, dann mindern.