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Mieterhöhung erhalten

Mieterhöhung erhalten? Deine Grenzen, Fristen und der beste nächste Schritt

Mehr Miete, steht da und es klingt, als wäre längst alles entschieden. Ist es nicht, ohne deine Zustimmung passiert erst einmal gar nichts. Ob der Vermieter Mieterhöhung oder Mietanpassung schreibt, ändert an deinen Rechten nichts.

Kurz gesagt: Eine Mieterhöhung zur Vergleichsmiete braucht deine Zustimmung und drei Grenzen müssen gleichzeitig stimmen: höchstens bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete, höchstens 15–20 % in drei Jahren (Kappungsgrenze) und frühestens, wenn die Miete 15 Monate unverändert war. Du hast bis zum Ende des übernächsten Monats Zeit zu reagieren und laut Mieterbund ist etwa jede dritte Erhöhung fehlerhaft.

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Stand: Oktober 2026 · Redaktion: Ben Ambros, Immobilienkaufmann, 13 Jahre Hausverwaltung · Gesetze und Urteile unter „Grundlagen“ am Seitenende

Zeitstrahl: Mieterhöhung mit Zugang am 10. März, Überlegungsfrist bis 31. Mai und neuer Miete ab Juni, falls du zustimmst
Erlaubt sind höchstens die Vergleichsmiete und 15–20 % in drei Jahren, frühestens nach 15 Monaten unveränderter Miete. Grafik: reklamo.ai

Deine Fristen. Auf den Tag genau

Ab Zugang des Schreibens läuft die Überlegungsfrist bis zum Ende des zweiten Kalendermonats danach (§ 558b BGB). Stimmst du zu, gilt die neue Miete ab dem dritten Kalendermonat nach Zugang. Stimmst du nicht zu, hat der Vermieter danach drei Monate, um auf Zustimmung zu klagen, tut er das nicht, ist das Verlangen vom Tisch.

Fristen-Rechner: Wann muss ich reagieren?

Wie viel darf die Miete steigen?

Kurz gesagt: Wie hoch eine Mieterhöhung sein darf, entscheiden zwei Deckel gleichzeitig. Die ortsübliche Vergleichsmiete und die Kappungsgrenze. Der niedrigere Wert gewinnt immer.

Es gilt immer der niedrigste von drei Werten: die ortsübliche Vergleichsmiete aus dem Mietspiegel, die Kappungsgrenze (20 %, in Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt 15 %, bundesweit inzwischen in über 600 Gemeinden) und das, was formell korrekt verlangt wurde. Den kompletten Rechenweg mit Rechner findest du auf der Kappungsgrenzen-Seite.

Wie oft darf erhöht werden?

Ein neues Erhöhungsverlangen ist frühestens ein Jahr nach dem letzten zulässig, und die Miete muss zum Wirksamwerden 15 Monate unverändert gewesen sein. Praktisch heißt das: schnellstmöglicher Rhythmus alle 15 Monate. Erhöhungen wegen Modernisierung oder gestiegener Betriebskosten-Vorauszahlungen laufen daneben, für sie gelten eigene Regeln, sie zählen aber auch nicht in die Kappungsgrenze hinein.

Die Begründung: Woran die meisten Schreiben scheitern

Der Vermieter muss die Erhöhung begründen, zulässig sind Mietspiegel, Mietdatenbank, Sachverständigengutachten oder drei konkrete Vergleichswohnungen (§ 558a BGB). Häufige Fehler: falsche Mietspiegel-Einordnung (Baujahr, Lage, Ausstattung), Vergleichswohnungen ohne prüfbare Angaben, Erhöhung über den Spiegelwert hinaus, fehlende Berücksichtigung der Kappungsgrenze.

Aus 13 Jahren VerwaltungIch habe in meiner Verwalterzeit selbst hunderte Erhöhungsschreiben verschickt und weiß deshalb, wo sie wackeln. Klassiker Nummer eins: Die Wohnung wird im Mietspiegel eine Kategorie zu gut eingeordnet, weil seit dem Einzug niemand mehr in der Wohnung war. Das alte Bad aus den 90ern zählt in der Tabelle aber anders als das sanierte aus dem Prospekt. Nummer zwei: Bei den drei Vergleichswohnungen stammen zwei aus dem eigenen Bestand und sind Neuvermietungen, formal zulässig, aber genau die Stelle, an der sich das Nachrechnen lohnt. Prüf als Erstes die Einordnung deiner Wohnung, nicht die Prozentrechnung.

Zustimmen, teilweise zustimmen oder ablehnen?

Du hast drei Wege und einer davon wird ständig übersehen: die Teilzustimmung bis zur berechtigten Höhe. Was bei jedem Weg passiert (inklusive der Frage, ob dir eine Kündigung droht, kurz: nein), steht ausführlich auf Mieterhöhung ablehnen & widersprechen. Bei einer Index- oder Staffelmiete gelten eigene Spielregeln. Dort ist die §-558-Erhöhung sogar ausgeschlossen.

Antwort auf die Mieterhöhung: Musterbriefe für Mieter

Einen „Musterbrief Mieterhöhung“ für Vermieter, also das Erhöhungsschreiben selbst, gibt es bei Reklamo nicht. Reklamo steht auf der Mieterseite. Die vier Musterbriefe hier sind Antworten auf eine Erhöhung der Miete. Du bekommst jeden kostenlos als PDF per Mail.

Prüf zuerst die drei Grenzen oben. Stimmt alles, reicht Muster 1. Muster 2 ist für den Fall, dass die Erhöhung nur zum Teil berechtigt ist, etwa wegen der Kappungsgrenze oder weil der Vermieter deine Wohnung im Mietspiegel falsch eingeordnet hat. Fehlen dir für die Prüfung Angaben, frag mit Muster 3 nach. Mit Muster 4 lehnst du ganz ab. Deine Überlegungsfrist bis zum Ende des zweiten Kalendermonats nach Zugang läuft in jedem Fall weiter, auch während du auf eine Antwort wartest.

Muster 1 · Zustimmung zur Mieterhöhung

Betreff: Zustimmung zu Ihrem Mieterhöhungsverlangen vom [Datum, z. B. 05.10.2026], Wohnung [Adresse]

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ihrem Verlangen vom [Datum], die Nettokaltmiete von [bisher, z. B. 720,00] € auf [neu, z. B. 790,00] € monatlich zu erhöhen, stimme ich zu. Die erhöhte Miete zahle ich ab dem [Datum aus dem Verlangen, frühestens Beginn des dritten Kalendermonats nach Zugang, z. B. 01.01.2027].

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Muster 2 · Teilzustimmung, zum Beispiel bei Mieterhöhung nach Mietspiegel

Betreff: Teilweise Zustimmung zu Ihrem Mieterhöhungsverlangen vom [Datum], Wohnung [Adresse]

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ihrem Verlangen vom [Datum] stimme ich teilweise zu, und zwar einer Erhöhung der Nettokaltmiete auf [Betrag, z. B. 756,00] € monatlich ab dem [Datum, z. B. 01.01.2027]. Einer weitergehenden Erhöhung stimme ich nicht zu.

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Muster 3 · Bitte um Begründung und Unterlagen

Betreff: Ihr Mieterhöhungsverlangen vom [Datum], Wohnung [Adresse]: Bitte um Unterlagen

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ihr Mieterhöhungsverlangen vom [Datum] habe ich am [Datum des Zugangs] erhalten. Um es prüfen zu können, bitte ich um folgende Angaben:

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Muster 4 · Zustimmung verweigern, mit Begründung

Betreff: Ihr Mieterhöhungsverlangen vom [Datum], Wohnung [Adresse]

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ihrem Verlangen vom [Datum], die Nettokaltmiete auf [Betrag] € zu erhöhen, stimme ich nicht zu.

Dein Brief, fertig ausgefüllt. Statt 6 Lücken von Hand: Frage für Frage, mit Hinweis zu jedem Punkt, als PDF und Word. Danach änderst du ihn jederzeit kostenlos.

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Ausführlich, mit allen Ablehnungsgründen und dem, was danach passiert: Mieterhöhung ablehnen und widersprechen.

Vorformulierte Zustimmungserklärung des Vermieters? Du musst sie nicht verwenden, deine Zustimmung ist formfrei. Willst du sie unterschreiben, lies vorher genau, ob sie nur die neue Miete betrifft oder weitere Änderungen enthält, etwa neue Vertragsklauseln. Im Zweifel nimm Muster 1 und schick deine eigene Erklärung.

Mieterhöhung nach Mietspiegel: Hier fängst du beim Feld an. Es ergibt sich aus Baujahr, Größe, Lage und Ausstattung deiner Wohnung. Erst danach geht es um die Merkmale, mit denen der Vermieter innerhalb der Spanne nach oben geht. Steht die Wohnung im falschen Feld, stimmst du mit Muster 2 bis zum richtigen Wert zu und nicht darüber hinaus.

Ab wann darf die Miete erhöht werden?

Die Frage „ab wann ist eine Mieterhöhung überhaupt zulässig" hat zwei Antworten, je nachdem, wo du im Mietverhältnis stehst:

Nach dem Einzug: Frühestens 12 Monate nach Mietbeginn darf das erste Erhöhungsverlangen bei dir eingehen (Jahressperrfrist, § 558 Abs. 1 BGB). Weil danach noch deine Überlegungsfrist und die gesetzliche Wirksamkeitsregel laufen, zahlst du die höhere Miete frühestens ab dem 16. Monat.

Nach der letzten Erhöhung: Auch hier gilt die Jahressperrfrist ab Zugang des letzten Verlangens. Faustformel: Zwischen zwei wirksamen Erhöhungen zur Vergleichsmiete liegen mindestens 15 Monate.

Ankündigung: Eine Mieterhöhung zur Vergleichsmiete wird nicht „angekündigt", sondern als Erhöhungsverlangen in Textform zugestellt und ab Zugang läuft alles Weitere. Nur die Erhöhung nach Modernisierung muss echt vorab angekündigt werden: mindestens 3 Monate vor Baubeginn (§ 555c BGB). Prüfe deshalb immer zuerst das Zugangsdatum. Es ist der Startpunkt jeder Frist auf dieser Seite.

Zustimmen oder nicht? Deine Frist und was ohne Zustimmung passiert

Bis wann du der Mieterhöhung zustimmen musst, regelt § 558b Abs. 2 BGB: bis zum Ablauf des zweiten Kalendermonats nach Zugang des Verlangens. Beispiel: Schreiben kommt am 10. März an. Deine Überlegungsfrist endet am 31. Mai.

Eine Mieterhöhung ohne Zustimmung des Mieters wird bei der Vergleichsmieten-Erhöhung nicht wirksam. Stimmst du nicht oder nur teilweise zu, bleibt dem Vermieter nur die Zustimmungsklage. Die er innerhalb von drei weiteren Monaten erheben muss, sonst ist das Verlangen vom Tisch. Einer berechtigten Erhöhung musst du zustimmen; verweigerst du grundlos, trägst du im Prozess die Kosten. Eine Teilzustimmung (etwa bis zur korrekt gedeckelten Höhe) ist zulässig und oft der klügste Weg.

Anders bei Modernisierung (§ 559 BGB) und der Anpassung von Vorauszahlungen (§ 560 BGB): Diese Erhöhungen wirken kraft Erklärung. Deine Zustimmung ist nicht nötig, du kannst nur die Berechnung angreifen oder den Härtefalleinwand erheben.

Mieterhöhung nach Modernisierung: 8 %, aber gedeckelt

Nach einer Modernisierung darf der Vermieter 8 % der auf deine Wohnung entfallenden Kosten pro Jahr auf die Miete aufschlagen (§ 559 BGB). Harte Obergrenze: höchstens 3 € je Quadratmeter innerhalb von 6 Jahren. Bei einer Ausgangsmiete unter 7 €/m² sogar nur 2 €/m². Die Erhöhung muss die Kosten nachvollziehbar aufschlüsseln und Instandhaltungsanteile herausrechnen; sie gilt ab Beginn des dritten Monats nach Zugang der Erklärung (§ 559b BGB). Die komplette Rechnung mit Beispielen: Modernisierungsumlage.

Form, Zugang, Sonderfälle: die Fragen aus der Praxis

Muss die Mieterhöhung schriftlich erfolgen? Textform genügt: Brief oder E-Mail mit erkennbarem Absender reichen, eine Unterschrift ist nicht nötig. Mündlich oder per WhatsApp-Sprachnachricht geht nicht; ein Einschreiben ist nicht vorgeschrieben, nur der Zugang muss im Streit beweisbar sein. Und niemand muss das Schreiben „unterschreiben": Deine Zustimmung ist formfrei, auch eine vorformulierte Zustimmungserklärung musst du nicht verwenden. Zahle einfach kommentarlos die alte Miete weiter, bis du dich entschieden hast.

Rückwirkend? Eine rückwirkende Erhöhung der Vergleichsmiete ist ausgeschlossen, frühestens ab dem dritten Monat nach Zugang wird sie fällig. Ankündigen: Wie lange vorher der Vermieter eine Erhöhung ankündigen muss, ergibt sich aus genau diesem Rhythmus, ein separates Ankündigungsschreiben gibt es nur bei der Modernisierung. Kaltmiete: Erhöht wird immer die Nettokaltmiete; Vorauszahlungen für Nebenkosten laufen getrennt über § 560 BGB.

Eigentümerwechsel: „Kauf bricht nicht Miete". Der neue Eigentümer übernimmt den Vertrag samt aller Fristen. Eine Extra-Erhöhung wegen des Verkaufs gibt es nicht; auch nach einem Eigentümerwechsel gelten Jahressperrfrist und Kappungsgrenze unverändert weiter. Index- und Staffelmiete: Hier gelten eigene Spielregeln (§§ 557a, 557b BGB). Bei laufender Staffel- oder Indexmiete ist die klassische Vergleichsmieten-Erhöhung gesperrt; die Indexerhöhung braucht eine Erklärung in Textform und wirkt ab dem übernächsten Monat.

Zu teuer geworden? Nach einer Erhöhung zur Vergleichsmiete oder wegen Modernisierung hast du ein Sonderkündigungsrecht (§ 561 BGB): Kündige bis zum Ablauf des zweiten Monats nach Zugang, dann endet das Mietverhältnis zwei Monate später, und die Erhöhung tritt für dich nie in Kraft. Muster und Fristenrechnung: Sonderkündigungsrecht bei Mieterhöhung (§ 561 BGB).

Die Begründungsmittel: Mietspiegel, Vergleichswohnungen, Gutachten

Zur Vergleichsmieten-Erhöhung muss der Vermieter eines von vier Begründungsmitteln liefern (§ 558a BGB): den Mietspiegel (mit konkreter Einordnung deiner Wohnung ins Feld. Der bloße Verweis genügt nicht), drei benannte Vergleichswohnungen mit Adresse und Miete, ein Sachverständigengutachten oder eine Mietdatenbank. Existiert ein qualifizierter Mietspiegel (§ 558d, wissenschaftlich erstellt), hat er Vermutungswirkung und seine Werte müssen dir sogar dann mitgeteilt werden, wenn der Vermieter mit Gutachten oder Vergleichswohnungen begründet; fehlt diese Angabe, ist das Verlangen formell unwirksam. Gibt es keinen Mietspiegel in deiner Gemeinde, bleiben Vergleichswohnungen und Gutachten, dann lohnt der genaue Blick, ob die drei Wohnungen wirklich vergleichbar sind (Lage, Baujahr, Ausstattung). Ob der genannte Wert stimmt, prüfst du mit dem Kappungsgrenzen-Rechner.

Gültig ab wann, trotz Mängeln, 20 Prozent? Die Detailfragen

Ab wann gilt die Mieterhöhung und ab wann musst du zahlen? Nach deiner Zustimmung ab Beginn des dritten Monats nach Zugang des Verlangens. Zugang im März heißt: erhöhte Miete ab Juni. Die Ankündigungsfrist ist damit faktisch in den Fristen eingebaut; ein separates Vorab-Schreiben gibt es nur bei Modernisierung. Darf eine Mieterhöhung 20 % betragen? Ja, wenn die Kappungsgrenze bei dir 20 % beträgt (kein angespannter Markt) und die Vergleichsmiete den Wert hergibt; in Gebieten mit Kappungsgrenzen-Verordnung ist bei 15 % Schluss. Mieterhöhung trotz Mängeln oder laufender Mietminderung? Zulässig. Beides läuft parallel: Die Erhöhung bemisst sich nach der Vergleichsmiete, deine Minderung zieht davon weiter ab. Ein Mangel macht die Erhöhung also nicht unwirksam, er mindert nur die Zahllast. Und nach Sanierung, Wärmepumpe oder Klimaanlage (jedem Einbau, der modernisiert) gilt: Das ist keine Vergleichsmieten-Frage, sondern die Modernisierungsumlage mit eigenen Grenzen. Weitere Detailfragen im Schnelldurchlauf: Jährlich oder jedes Jahr erhöhen? Rechnerisch frühestens alle 15 Monate, ein fester Jahresrhythmus ist mit der Sperrfrist unvereinbar. Beim Mieterwechsel ist die Neuvermietungsmiete frei (Grenze: Mietpreisbremse), eine „Mieterhöhung" ist das rechtlich nicht. Garage oder Stellplatz mit eigenem Vertrag lassen sich, anders als die Wohnung, oft per Änderungskündigung anpassen; hängen sie am Wohnraummietvertrag, gelten dessen Regeln. Im Gewerbe ist § 558 nicht anwendbar. Dort zählt allein der Vertrag. Formulieren, unterschreiben, zugestimmt per Einverständniserklärung als PDF? Deine Zustimmung ist formfrei; was du unterschrieben zurückschickst, bindet dich. Im Zweifel erst rechnen, dann reagieren. Und einklagen kann der Vermieter nur die Zustimmung, nie die Miete selbst; bei der seltenen Kostenmiete (preisgebundener Wohnraum) gelten eigene Regeln, worauf du sonst achten musst, steht oben. Und will der Vermieter nicht die Miete, sondern die Nebenkosten-Vorauszahlung anheben, gilt ein ganz anderes Regelwerk: Nebenkosten-Erhöhung nach § 560 BGB.

Grundlagen

§§ 558–558b BGB: gesetze-im-internet.de · Kappungsgrenzen-Verordnungen der Länder · Deutscher Mieterbund (Fehlerquote)

Hast du dich entschieden, nicht oder nur teilweise zuzustimmen, nimm die Vorlage für den Widerspruch, ausfüllen, zustellen, Frist gewahrt.

Häufige Fragen

Wie viel Mieterhöhung ist 2026 maximal erlaubt, wo liegt die Obergrenze?
Höchstens bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete und höchstens 20 % in drei Jahren. In Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt 15 %. Es gilt immer der niedrigere Wert. Rechner und Gebietslisten: Kappungsgrenze.
Wie oft und wie hoch darf der Vermieter die Miete erhöhen, was ist pro Jahr maximal möglich?
Frühestens ein Jahr nach dem letzten Erhöhungsverlangen, und wirksam wird die neue Miete erst, wenn die alte 15 Monate unverändert war. Eine feste Grenze pro Jahr gibt es nicht, wohl aber höchstens 20 % in drei Jahren, in vielen Städten 15 %, und nie mehr als die Vergleichsmiete.
Gilt für langjährige Mieter ein besonderer Schutz vor Mieterhöhung?
Nein. Einen Bestandsschutz auf die alte Miete gibt es nicht, auch nach 10 oder 20 Jahren darf bis zur Vergleichsmiete erhöht werden. Gerade bei sehr alten Mieten greift dafür die Kappungsgrenze als harte Bremse: mehr als 15–20 % in drei Jahren gehen nie.
Muss ich einer Mieterhöhung zustimmen, ist das Pflicht?
Einer berechtigten Erhöhung zur Vergleichsmiete ja, sonst kann der Vermieter auf Zustimmung klagen. Bei Fehlern darfst du ganz oder teilweise verweigern. Was dann passiert: Mieterhöhung ablehnen.
Formfehler: Was macht eine Mieterhöhung formell unwirksam?
Fehlende oder untaugliche Begründung (kein Mietspiegel, keine prüfbaren Vergleichswohnungen), Verstoß gegen die Jahressperrfrist, falscher Adressat oder fehlende Textform. Formfehler heißt: Du musst nicht zustimmen, bis ein korrektes Schreiben kommt. Liegt die verlangte Miete nur über der Kappungsgrenze, ist das Schreiben nicht insgesamt unwirksam: Dann stimmst du bis zur Grenze zu und lehnst den Rest ab (Teilzustimmung).
Zählen Modernisierung und Betriebskosten in die Kappungsgrenze?
Nein. Erhöhungen nach Modernisierung (§ 559 BGB) und Anpassungen der Betriebskostenvorauszahlung (§ 560 BGB) laufen neben der Kappungsgrenze. Sie werden nicht eingerechnet, haben aber eigene Grenzen.
Ab wann darf die Miete nach dem Einzug zum ersten Mal erhöht werden?
Das erste Erhöhungsverlangen darf frühestens 12 Monate nach Mietbeginn zugehen. Mit Überlegungsfrist und Wirksamkeitsregel zahlst du die höhere Miete frühestens ab dem 16. Monat.
Bis wann muss ich einer Mieterhöhung zustimmen?
Bis zum Ablauf des zweiten Kalendermonats nach Zugang des Schreibens (§ 558b Abs. 2 BGB). Zugang am 10. März heißt also: Frist bis 31. Mai.
Was passiert, wenn ich der Mieterhöhung nicht zustimme?
Ohne deine Zustimmung wird die Vergleichsmieten-Erhöhung nicht wirksam. Der Vermieter kann binnen drei Monaten nach Ablauf deiner Frist auf Zustimmung klagen, tut er es nicht, ist das Verlangen erledigt. Bei berechtigten Erhöhungen drohen dir dann allerdings die Prozesskosten.
Muss ich einer Mieterhöhung nach Modernisierung zustimmen?
Nein. Sie wirkt kraft Erklärung des Vermieters (§ 559 BGB), ab Beginn des dritten Monats nach Zugang. Angreifen kannst du die Berechnung (Instandhaltungsanteile!) oder den Härtefalleinwand erheben.
Form: Kann eine Mieterhöhung per E-Mail erfolgen, reicht Textform, oder muss sie schriftlich per Einschreiben kommen?
Per E-Mail ja, Textform genügt (§ 558a Abs. 1 BGB); mündlich nicht. Ein Einschreiben ist keine Pflicht, der Vermieter muss aber beweisen, dass das Schreiben angekommen ist. Unterschreiben musst du nichts: Deine Zustimmung ist formfrei, und eine beigelegte Zustimmungserklärung ist ein Angebot, keine Pflicht.
Habe ich bei einer Mieterhöhung ein Sonderkündigungsrecht?
Ja (§ 561 BGB): Bis zum Ablauf des zweiten Monats nach Zugang kündigen. Das Mietverhältnis endet zwei Monate später, und die Erhöhung wird für dich nie wirksam.
Muss ich dem Jobcenter eine Mieterhöhung melden?
Ja, unverzüglich. Die Kosten der Unterkunft ändern sich. Das Jobcenter prüft die Angemessenheit und übernimmt die erhöhte Miete, solange sie im örtlichen Rahmen liegt; ohne Meldung riskierst du eine Lücke zwischen Miete und Leistung.
Gibt es hier auch Musterschreiben für Vermieter?
Bewusst nicht: Reklamo steht auf der Mieterseite. Wir prüfen Erhöhungsschreiben, statt sie zu liefern. Was ein wirksames Schreiben enthalten muss, liest du oben trotzdem im Detail, zum Gegenprüfen.
Gibt es die Musterbriefe zur Mieterhöhung kostenlos als PDF?
Für Mieter ja. Zustimmung, Teilzustimmung, Bitte um Unterlagen und Ablehnung stehen oben, jeweils kostenlos als PDF per Mail. Für das Erhöhungsschreiben des Vermieters hat Reklamo keine Vorlage.
Wie formuliere ich die Zustimmungserklärung zur Mieterhöhung?
Ein kurzer Brief reicht: Datum des Verlangens, neue Nettokaltmiete, ab wann sie gilt, und der Satz, dass sich die Zustimmung nur auf die Miethöhe bezieht (Muster 1). Bei mehreren Mietern unterschreiben alle. Eine beigelegte Erklärung des Vermieters musst du nicht verwenden.
Was schreibe ich bei einer Mieterhöhung nach Mietspiegel?
Zuerst schaust du dir die Einordnung an, also Feld, Spanne und Zu- oder Abschläge. Stimmt alles, nimm Muster 1. Ist die Wohnung zu hoch eingeordnet oder greift die Kappungsgrenze, stimmst du mit Muster 2 bis zum richtigen Wert zu. Fehlen dir Angaben zur Einordnung, frag mit Muster 3 nach; deine Frist läuft trotzdem weiter.
Was muss in einer Mieterhöhung drin stehen, wie muss das Anschreiben aussehen?
In Textform, also auch per E-Mail, mit Begründung, etwa Mietspiegel oder drei Vergleichswohnungen, und der Bitte um Zustimmung (§ 558a BGB). Zeit für deine Zustimmung hast du bis zum Ende des zweiten Monats nach Zugang (§ 558b BGB).
Mieterhöhung nach Eigentümerwechsel: Was gilt, und wie hoch darf sie sein?
Der neue Eigentümer übernimmt den Mietvertrag, wie er ist (§ 566 BGB). Er darf nur nach denselben Regeln erhöhen wie der alte: bis zur Vergleichsmiete, mit Begründung, frühestens 15 Monate nach der letzten Erhöhung und innerhalb der Kappungsgrenze. Durch den Verkauf beginnt keine Frist neu. Vor seiner Eintragung im Grundbuch geht das nur mit Ermächtigung des alten Eigentümers.
Qualifizierter Mietspiegel: Was gilt für Begründung und Spanne, und wie begründet der Vermieter ohne Mietspiegel?
Gibt es einen qualifizierten Mietspiegel, muss der Vermieter dessen Werte in der Erhöhung nennen, auch wenn er sich auf etwas anderes stützt (§ 558a Abs. 3 BGB). Die Werte gelten als ortsüblich (§ 558d Abs. 3 BGB); wo in der Spanne deine Wohnung liegt, richtet sich nach Lage, Ausstattung und Zustand. Ohne Mietspiegel begründet er mit drei Vergleichswohnungen, einem Gutachten oder einer Mietdatenbank (§ 558a Abs. 2 BGB).
Die Mieterhöhung kann ich mir nicht leisten: Was tun?
Prüf zuerst, ob sie wirksam ist: Begründung, Sperrfrist, Kappungsgrenze. Ist sie berechtigt, kannst du Wohngeld beantragen oder, mit Grundsicherungsgeld, die höhere Miete beim Jobcenter melden. Nach einer Erhöhung hast du außerdem ein Sonderkündigungsrecht bis zum Ende des zweiten Monats nach Zugang (§ 561 BGB).
Kann eine Mieterhöhung abgelehnt werden?
Ja, wenn sie nicht wirksam oder zu hoch ist, ganz oder teilweise. Lehnst du eine berechtigte Erhöhung ab, kann der Vermieter innerhalb von drei weiteren Monaten auf Zustimmung klagen (§ 558b Abs. 2 BGB); kündigen darf er deswegen nicht.
Muss eine Mieterhöhung bestätigt werden, oder reicht die Zahlung?
Ja, wenn du zustimmen willst: Erhöht wird erst mit deiner Zustimmung. Sie ist formfrei, sicher ist ein kurzer Brief oder eine E-Mail. Schweigen gilt nicht als Zustimmung; zahlst du die höhere Miete aber mehrmals vorbehaltlos, gilt das als Zustimmung.
Muss eine Mieterhöhung im Mietvertrag stehen?
Nein, für die Erhöhung bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete braucht es keine Klausel (§ 558 BGB). Staffel- oder Indexmiete müssen dagegen im Vertrag vereinbart sein (§§ 557a, 557b BGB). Ausgeschlossen ist eine Erhöhung, wenn der Vertrag sie ausschließt (§ 557 Abs. 3 BGB).
Voraussetzungen: Wann ist eine Mieterhöhung legal?
Wenn sie die ortsübliche Vergleichsmiete nicht übersteigt, die Miete seit 15 Monaten unverändert ist, höchstens 20 % in drei Jahren ausmacht (in vielen Städten 15 %), begründet ist und in Textform kommt (§§ 558, 558a BGB).
Ankündigung: Wie lange vorher, also im Voraus, muss eine Mieterhöhung angekündigt werden, und bis wann muss sie zugestellt sein?
Eine eigene Ankündigung gibt es nicht, das Erhöhungsverlangen selbst ist die Ankündigung. Die neue Miete gilt ab dem dritten Kalendermonat nach Zugang (§ 558b Abs. 1 BGB): Kommt das Schreiben im Oktober an, zahlst du ab Januar mehr. Eine Modernisierung muss drei Monate vorher angekündigt werden (§ 555c BGB).
Falsche Quadratmeter in der Mieterhöhung: Welche Wohnfläche zählt?
Die tatsächliche, nicht die im Mietvertrag, egal wie groß die Abweichung ist (BGH, 18.11.2015, VIII ZR 266/14). Rechnet der Vermieter mit zu vielen Quadratmetern, stimmst du nur der Erhöhung auf Basis der echten Fläche zu.
Darf eine Mieterhöhung rückwirkend verlangt werden, ist das möglich?
Nein. Die neue Miete schuldest du frühestens ab dem dritten Kalendermonat nach Zugang (§ 558b Abs. 1 BGB). Nur wenn ein Gericht dich zur Zustimmung verurteilt, zahlst du die Differenz ab diesem Zeitpunkt nach.
Mieterhöhung kalt oder warm: Bezieht sie sich auf Kaltmiete oder Warmmiete?
Auf die Nettokaltmiete. Vergleichsmiete und Kappungsgrenze rechnen ohne Nebenkosten; die Vorauszahlungen werden getrennt nach § 560 BGB angepasst.
Widerspruch gegen die Mieterhöhung wegen Mängeln: Geht das?
Nicht allein deshalb. Behebbare Mängel machen die Erhöhung nicht unwirksam; dafür hast du eigene Rechte: Mängelanzeige und Mietminderung, die auch von der erhöhten Miete abgeht.
Gelten die Regeln auch für eine Mieterhöhung im Gewerbemietvertrag oder bei Gewerbe?
Nein. Die §§ 558 ff. BGB gelten nur für Wohnraum. Bei Gewerbe steigt die Miete nur, wenn der Vertrag es vorsieht, etwa als Staffel, Index oder Anpassungsklausel, oder wenn ihr euch einigt.
Darf die Miete für einen Stellplatz erhöht werden?
Gehört der Stellplatz zum Wohnungsmietvertrag, wird er mit der Wohnung nach § 558 BGB erhöht. Ist er separat gemietet, gelten die Regeln für Wohnraum nicht; dann geht eine Erhöhung nur nach dem Vertrag oder über eine Kündigung des Stellplatzvertrags.
Muss ich die Mieterhöhung unterschreiben, und was, wenn ich die Zustimmungserklärung nicht unterschrieben habe?
Unterschreiben musst du nichts. Deine Zustimmung ist formfrei, eine beigelegte Zustimmungserklärung ist nur ein Angebot. Hast du sie nicht unterschrieben, aber mehrmals vorbehaltlos die höhere Miete gezahlt, gilt das in der Regel als Zustimmung.
Dürfen Mieterhöhung und Nebenkostenerhöhung gleichzeitig kommen?
Ja, das sind zwei getrennte Wege: die Mieterhöhung nach § 558 BGB und die Anpassung der Vorauszahlungen nach einer Abrechnung (§ 560 Abs. 4 BGB). Die Kappungsgrenze gilt nur für die Kaltmiete.
Gelten die Regeln auch für ein gemietetes Haus oder Einfamilienhaus?
Ja, für jede gemietete Wohnung und jedes gemietete Haus gelten dieselben Grenzen: Vergleichsmiete, Sperrfrist und Kappungsgrenze (§ 558 BGB).
Mieterhöhung berechnen: Welche Formel gilt, mit Beispiel?
Die neue Miete darf zwei Grenzen nicht überschreiten: die ortsübliche Vergleichsmiete und die Kappungsgrenze, also höchstens 20 % mehr in drei Jahren, in vielen Städten 15 % (§ 558 Abs. 3 BGB). Beispiel: vor drei Jahren 800 € kalt, Kappungsgrenze 15 %, also höchstens 920 €. Liegt die Vergleichsmiete für deine 70 m² bei 12,50 € je m², also 875 €, sind 875 € die Grenze. Erhöhungen nach Modernisierung und bei den Betriebskosten zählen dabei nicht mit.
Mieterhöhung kann ich mir nicht leisten: Was kann ich tun?
Prüf zuerst, ob sie wirksam ist: Vergleichsmiete, Kappungsgrenze, Begründung und Fristen. Ist sie berechtigt, beantrage Wohngeld oder reiche die neue Miete beim Jobcenter ein, wenn es deine Miete zahlt. Willst du ausziehen, hast du ein Sonderkündigungsrecht (§ 561 BGB), dann gilt die Erhöhung für dich nie. Bei einer Erhöhung nach Modernisierung kannst du eine finanzielle Härte einwenden, aber nur fristgerecht nach der Ankündigung (§ 555d Abs. 3, § 559 Abs. 4 BGB).
Ben Ambros, Immobilienkaufmann
Ben Ambros · Immobilienkaufmann
13 Jahre Immobilienverwaltung in München (über 1.000 Wohnungen), heute Makler für Mehrfamilienhäuser in Murnau. Schreibt hier über das, was er früher selbst abgerechnet hat. Über Ben →
Zum Nachlesen: Verbraucherschutz.tv, Hallo München
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