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Medizin · Patientenakte

Patientenakte anfordern: Kopien vom Arzt und vom Krankenhaus

Du willst den Arzt wechseln, eine zweite Meinung einholen oder prüfen lassen, ob bei der Operation etwas schiefgelaufen ist. Oder ein Angehöriger ist gestorben, und du willst verstehen, was in der Klinik passiert ist. Dafür brauchst du die Akte. Darauf hast du ein Recht. Für deine eigene Akte musst du keinen Grund nennen, Erben und nahe Angehörige müssen kurz sagen, wozu sie die Akte brauchen.

Antwort in 20 Sekunden: Du darfst deine vollständige Behandlungsakte einsehen und Kopien verlangen, auch als Datei (§ 630g BGB). Die erste Kopie ist kostenlos, das steht seit Februar 2026 ausdrücklich im Gesetz. Die Praxis muss unverzüglich liefern, spätestens nach einem Monat (Art. 12 DSGVO). Nach einem Todesfall haben Erben und nächste Angehörige ein eigenes Einsichtsrecht, zahlen aber die Kopierkosten.

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Stand: Oktober 2026 · Redaktion: Ben Ambros · Gesetze und Urteile unter „Grundlagen“ am Seitenende

Zeitstrahl: Patientenakte anfordern, die Kopie muss spätestens einen Monat nach Eingang da sein, dann Erinnerung mit 14 Tagen Frist und Beschwerde
Nach einem Todesfall haben Erben und nächste Angehörige ein eigenes Einsichtsrecht (§ 630g Abs. 3 BGB), zahlen aber die Kopierkosten. Grafik: reklamo.ai

Was zur Patientenakte gehört

In § 630g BGB heißt sie seit Februar 2026 Behandlungsakte, gemeint ist dasselbe. Hinein gehört alles, was für die Behandlung wesentlich ist: Anamnese, Diagnosen, Untersuchungen und Befunde, Therapien, Eingriffe und ihre Wirkungen, Einwilligungen, Aufklärungen und Arztbriefe (§ 630f Abs. 2 BGB). Du hast Anspruch auf die vollständige Akte, nicht auf eine Auswahl (§ 630g Abs. 1 BGB).

UnterlageLiegt meist beiWorauf du achtest
OP-BerichtKlinik oder ambulant operierender PraxisNarkoseprotokoll und Aufklärungsbogen gleich mit anfordern
Entlassbrief, ArztbriefeKlinik, Hausarzt, FacharztBriefe anderer Ärzte gehören in die Akte des Empfängers
Röntgen, CT, MRTRadiologie, KlinikBilddateien auf CD oder DVD verlangen, nicht nur den Befundtext
PflegedokumentationKrankenhauswichtig bei Stürzen, Druckgeschwüren, Infektionen
LaborwertePraxis, Klinikmit Datum, damit man Verläufe sieht

Einsehen kannst du die Akte vor Ort in der Praxis (§ 630g Abs. 1 BGB mit § 811 BGB). Meist sind Kopien praktischer, auf Papier oder als Datei. Die Originale bleiben beim Arzt; wer die „Herausgabe der Patientenakte“ verlangt, bekommt also eine vollständige Kopie. Für einen Widerspruch sind Arztbriefe und Befunde oft die wichtigsten Belege, ob beim Pflegegrad, bei einer abgelehnten Reha oder gegenüber der Krankenkasse.

Was die Kopie kostet und wie schnell sie kommen muss

Willst du wissen, welche Daten andere Stellen über dich speichern, etwa eine Versicherung oder eine Auskunftei, hilft die allgemeine DSGVO-Auskunft.

Patientenakte anfordern: Musterbriefe für Arzt und Krankenhaus

Jedes Muster gibt es zum Herunterladen als Word-Datei und PDF. Für jede Praxis und jede Klinik schickst du eine eigene Anfrage, per Fax, E-Mail oder Brief. Notier dir das Datum, denn ab Eingang läuft der Monat. Wie du den Eingang belegst, steht unter Zugang nachweisen. Forderst du die Akte für einen lebenden Angehörigen an, leg seine Vollmacht mit Entbindung von der Schweigepflicht bei.

Muster 1 · Patientenakte beim Arzt anfordern

Betreff: Kopie meiner Behandlungsakte, [Vor- und Nachname], geboren am [Datum]

[Sehr geehrte Frau Dr. Beispiel,]

ich [bin seit 2019 / war von 2019 bis 2026] bei Ihnen in Behandlung. Nach § 630g Abs. 1 BGB und Art. 15 Abs. 3 DSGVO bitte ich Sie um eine vollständige Kopie meiner Behandlungsakte [für die Zeit vom … bis … / für die gesamte Behandlung], einschließlich aller Befunde, Laborwerte, Arztbriefe und Bilder.

Bitte senden Sie mir die Unterlagen [als PDF an meine E-Mail-Adresse … / per Post an meine Anschrift], Bilder als Bilddateien, etwa auf CD.

Die erste Kopie ist nach § 630g Abs. 1 Satz 4 BGB unentgeltlich. Ich erwarte die Unterlagen unverzüglich, spätestens bis zum [Datum, ein Monat nach Eingang] (Art. 12 Abs. 3 DSGVO). Für Rückfragen erreichen Sie mich unter [Telefonnummer].

Mit freundlichen Grüßen
[Vor- und Nachname]

Muster 2 · Krankenhaus: Akte mit OP-Bericht und Bildern

Betreff: Kopie meiner Behandlungsakte, Aufenthalt vom [Datum] bis [Datum], Fallnummer [Nummer aus dem Entlassbrief, falls bekannt]

Sehr geehrte Damen und Herren,

vom [Datum] bis [Datum] war ich in Ihrem Haus in Behandlung, Abteilung [z. B. Unfallchirurgie]. Am [Datum] wurde ich [z. B. am rechten Knie] operiert.

Nach § 630g Abs. 1 BGB und Art. 15 Abs. 3 DSGVO bitte ich um eine vollständige Kopie meiner Behandlungsakte, insbesondere:
1. OP-Bericht und Narkoseprotokoll,
2. Aufklärungs- und Einwilligungsbögen,
3. Pflegedokumentation und Verlaufskurven,
4. Laborbefunde und Befundberichte,
5. Entlassbrief und Arztbriefe,
6. Röntgen-, CT- und MRT-Aufnahmen als Bilddateien auf CD, DVD oder zum Download.

Die erste Kopie ist unentgeltlich (§ 630g Abs. 1 Satz 4 BGB). Bitte senden Sie mir die Unterlagen unverzüglich, spätestens bis zum [Datum, ein Monat nach Eingang]. Sollten Sie Teile der Akte nicht herausgeben, bitte ich um eine schriftliche Begründung (§ 630g Abs. 2 BGB).

Mit freundlichen Grüßen
[Vor- und Nachname, Geburtsdatum]

Anforderung fertig, mit Frist und Paragrafen

Beschreib kurz, welche Unterlagen du von welcher Praxis oder Klinik brauchst. Reklamo prüft den Fall nach den Punkten dieser Seite und schreibt die fertige Anforderung mit deinen Daten und dem richtigen Datum. Die Vorschau ist kostenlos.

Brief erstellen

Patientenakte eines Verstorbenen: Wer Einsicht bekommt

Die Schweigepflicht des Arztes endet nicht mit dem Tod (§ 203 Abs. 5 StGB). Das Gesetz gibt aber zwei Gruppen ein eigenes Recht auf Einsicht und Kopien (§ 630g Abs. 3 BGB):

Ausgeschlossen ist die Einsicht, soweit der Verstorbene sie ausdrücklich nicht wollte oder sie seinem mutmaßlichen Willen widerspricht. Das prüft der Arzt, und eine Ablehnung muss er begründen. Schreib deshalb kurz dazu, warum der Verstorbene einverstanden gewesen wäre. Die erste Kopie ist hier nicht kostenlos: Erben müssen die entstandenen Kosten erstatten, und für Angehörige gilt nach dem Wortlaut dasselbe. Streit ums Erbe ist ein eigenes Thema (Pflichtteil einfordern).

Muster 3 · Einsicht als Erbe oder Angehöriger eines Verstorbenen

Betreff: Einsicht in die Behandlungsakte von [Name], geboren am [Datum], verstorben am [Datum]

Sehr geehrte Damen und Herren,

[mein Vater / meine Ehefrau], [Name], war [vom … bis … in Ihrem Haus / seit … bei Ihnen] in Behandlung und ist am [Datum] verstorben.

[Als Erbe brauche ich die Unterlagen für vermögensrechtliche Interessen, z. B. um mögliche Schadensersatzansprüche zu prüfen. / Als Ehefrau möchte ich die Umstände des Todes verstehen.] Nach § 630g Abs. 3 BGB bitte ich daher um Einsicht in die vollständige Behandlungsakte und um eine Kopie, einschließlich [OP-Berichte, Befunde, Pflegedokumentation, Bilder].

Ein Wille [meines Vaters], der dem entgegensteht, ist mir nicht bekannt. [z. B. Er hat mich zu allen Arztterminen mitgenommen und mit mir über seine Behandlung gesprochen.]

Als Nachweis lege ich bei: Sterbeurkunde, [Erbschein / eröffnetes Testament / Geburts- oder Heiratsurkunde], Kopie meines Ausweises.

Die Kopierkosten übernehme ich. Sollten sie [50] € übersteigen, bitte ich vorab um Nachricht. Bitte senden Sie mir die Unterlagen unverzüglich, möglichst bis zum [Datum, vier Wochen].

Mit freundlichen Grüßen
[Vor- und Nachname]

Darf der Arzt etwas zurückhalten?

Nur in zwei Fällen und nur, soweit nötig (§ 630g Abs. 2 BGB): wenn erhebliche therapeutische Gründe entgegenstehen, was vor allem in Psychiatrie und Psychotherapie vorkommen kann, oder wenn erhebliche Rechte Dritter betroffen sind, etwa Angaben von Angehörigen. Die Ablehnung muss der Arzt begründen. Diese Grenzen gelten seit Februar 2026 auch, wenn du dich auf die DSGVO berufst (§ 630g Abs. 4 Satz 3 BGB); Rechte anderer schützt dort zusätzlich Art. 15 Abs. 4 DSGVO.

Aufbewahren muss der Arzt die Akte zehn Jahre nach Abschluss der Behandlung (§ 630f Abs. 3 BGB). Röntgenaufnahmen von Erwachsenen müssen ebenfalls zehn Jahre aufbewahrt werden, die von Minderjährigen bis zum 28. Geburtstag, Aufzeichnungen einer Strahlentherapie 30 Jahre (§ 85 StrlSchG). Ist die Praxis geschlossen, frag bei der Nachfolgepraxis oder der Ärztekammer nach, wo die Akten liegen.

Keine Antwort nach einem Monat: Erinnerung und Beschwerde

Erst kommt eine Erinnerung mit kurzer Frist (Muster 4). Bleibt es still, kommt nur ein Teil oder verlangt die Praxis Geld für die erste Kopie, kannst du dich beschweren:

Muster 4 · Erinnerung mit Ankündigung der Beschwerde

Betreff: Erinnerung: Kopie meiner Behandlungsakte, meine Anfrage vom [Datum]

[Sehr geehrte Frau Dr. Beispiel, / Sehr geehrte Damen und Herren,]

am [Datum] habe ich Sie um eine vollständige Kopie meiner Behandlungsakte gebeten (§ 630g BGB, Art. 15 DSGVO). Bis heute habe ich [keine Antwort / nur einen Teil der Unterlagen / eine Rechnung über … € für die erste Kopie] erhalten.

Die Monatsfrist nach Art. 12 Abs. 3 DSGVO ist am [Datum] abgelaufen. Die erste Kopie ist unentgeltlich (§ 630g Abs. 1 Satz 4 BGB).

Bitte senden Sie mir die vollständigen Unterlagen bis zum [Datum, 14 Tage]. Sonst wende ich mich an [die Datenschutzaufsicht / die Ärztekammer / die Zahnärzte- oder Psychotherapeutenkammer] wenden.

Mit freundlichen Grüßen
[Vor- und Nachname, Geburtsdatum]

Muster 5 · Beschwerde bei Ärztekammer oder Datenschutzaufsicht

Betreff: Beschwerde wegen nicht herausgegebener Behandlungsakte, [Name und Anschrift der Praxis oder Klinik]

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich beschwere mich über [Name und Anschrift der Praxis oder Klinik]. Am [Datum] habe ich dort eine vollständige Kopie meiner Behandlungsakte angefordert und am [Datum] erinnert. [Bis heute habe ich nichts erhalten. / Für die erste Kopie werden … € verlangt. / Die Herausgabe wurde ohne Begründung abgelehnt.]

Nach § 630g BGB und Art. 15 DSGVO steht mir die erste Kopie unentgeltlich und innerhalb eines Monats zu. Ich bitte Sie, den Vorgang zu prüfen und auf die Herausgabe hinzuwirken.

Anbei: meine Anfrage, die Erinnerung [und die Antwort der Praxis] in Kopie.

Mit freundlichen Grüßen
[Vor- und Nachname, Anschrift]

Verdacht auf Behandlungsfehler: Wie es mit der Akte weitergeht

Bist du gesetzlich versichert, soll dich deine Krankenkasse bei Behandlungsfehlern unterstützen; sie kann ein Gutachten des Medizinischen Dienstes veranlassen (§ 66 SGB V). Schick ihr die Kopien mit einer kurzen Schilderung, was passiert ist. Ansprüche verjähren in der Regel nach drei Jahren. Die Frist beginnt mit dem Schluss des Jahres, in dem du von Schaden und Verursacher erfahren hast (§§ 195, 199 BGB). Geht es um Schadensersatz, ist eine Fachanwältin für Medizinrecht die richtige Adresse.

Was du jetzt tun solltest

Was du nicht tun solltest

Häufige Fragen

Wie fordere ich meine Patientenakte beim Arzt an?
Schriftlich, per Brief, Fax oder E-Mail, mit Name, Geburtsdatum und Behandlungszeitraum. Ein Formular brauchst du nicht. Muster 1 enthält alle Angaben und den Hinweis, dass die erste Kopie kostenlos ist.
Muss ich sagen, wofür ich die Patientenakte brauche?
Einen Grund musst du nicht nennen, das hat der Europäische Gerichtshof 2023 klargestellt. Das gilt auch, wenn du einen möglichen Behandlungsfehler prüfen willst.
Was kostet eine Kopie der Patientenakte?
Die erste nichts, das regelt seit 6. Februar 2026 § 630g Abs. 1 BGB. Für weitere Kopien darf die Praxis ein angemessenes Entgelt verlangen. Erben zahlen schon für die erste Kopie die entstandenen Kosten.
Wie bekomme ich den OP-Bericht?
Vom Krankenhaus oder der Praxis, die operiert hat. Nenn das Datum des Eingriffs und die Abteilung und fordere Narkoseprotokoll und Aufklärungsbogen gleich mit an. Muster 2 ist darauf zugeschnitten.
Darf ich die Patientenakte meiner verstorbenen Mutter einsehen?
Ja, als Erbin, wenn es um Vermögensfragen geht, und als nahe Angehörige, wenn du etwa die Todesumstände verstehen willst (§ 630g Abs. 3 BGB). Nicht, wenn deine Mutter das ausdrücklich oder mutmaßlich nicht gewollt hätte. Leg Sterbeurkunde und Nachweise bei und rechne mit Kopierkosten (Muster 3).
Kann ich die Herausgabe der Originalakte verlangen?
Nein, nur Einsicht und Kopien. Die Originale muss der Arzt zehn Jahre aufbewahren. Eine vollständige Kopie, auch als Datei, steht dir aber zu.
Wie lange muss der Arzt meine Akte aufbewahren?
Zehn Jahre nach Abschluss der Behandlung (§ 630f Abs. 3 BGB). Röntgenaufnahmen von Kindern und Jugendlichen bis zum 28. Geburtstag, Aufzeichnungen einer Strahlentherapie 30 Jahre. Ältere Akten können vernichtet sein, eine Nachfrage kostet aber nichts.
Steht nicht alles in meiner elektronischen Patientenakte?
In die ePA deiner Krankenkasse stellen Praxen vor allem Befundberichte, Laborbefunde und Arztbriefe aus der laufenden Behandlung, nicht die ganze Akte. Du kannst aber verlangen, dass die Praxis eine elektronische Abschrift deiner Behandlungsakte dort einstellt (§ 347 SGB V).
Wo beschwere ich mich, wenn der Arzt die Akte nicht herausgibt?
Bei der Datenschutzaufsicht deines Bundeslands (für kirchliche Kliniken ist die kirchliche Aufsicht zuständig) oder bei der Ärztekammer (bei Zahnärzten der Zahnärztekammer), im Krankenhaus zuerst beim Beschwerdemanagement. Schick vorher eine Erinnerung mit Frist (Muster 4). Muster 5 passt als Beschwerde für Ärztekammer und Datenschutzaufsicht.

Grundlagen

§ 630f BGB · § 630g BGB (Fassung seit 06.02.2026) · § 811 BGB · §§ 195, 199 BGB · Art. 12, 15, 57, 77, 91 und Erwägungsgrund 27 DSGVO · EuGH, Urteil vom 26.10.2023, C-307/22 · § 203 Abs. 5 StGB · § 85 StrlSchG · §§ 66, 135a, 347 SGB V · Stand: Oktober 2026

Ben Ambros, Immobilienkaufmann
Ben Ambros · Immobilienkaufmann
13 Jahre Hausverwalter in München (über 1.000 Wohnungen), heute Makler für Mehrfamilienhäuser in Murnau. Schreibt hier über das, was er früher selbst abgerechnet hat. Über Ben →
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