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Heizkosten

Heizkostenabrechnung prüfen: Hier verstecken sich die teuren Fehler

Dreißig Prozent mehr als im Vorjahr, gleiche Wohnung, ähnlicher Winter. Bevor du zahlst, rechne nach – die Fehlerquote ist ausgerechnet bei den Heizkosten am höchsten.

Antwort in 20 Sekunden: Bei der Heizkostenabrechnung kannst du an drei Stellen ansetzen: Wurde nicht nach Verbrauch abgerechnet, darfst du den Betrag pauschal um 15 % kürzen (§ 12 HeizKV). Fehlt die CO₂-Kostenaufteilung (Pflicht seit 2023), zahlst du den Vermieteranteil mit. Und liegt dein Preis deutlich über dem Heizspiegel-Richtwert – für eine 70-m²-Gaswohnung rund 1.180 € im Jahr – lohnt der Blick in die Belege.

Stand: August 2026 · geprüft von Ben Ambros, Immobilienkaufmann, 13 Jahre Hausverwaltung

Mitglieder lösen das so

Heizkosten zu hoch – in 2 Minuten reagiert

  • Kürzungsschreiben 15 % nach § 12 HeizKV – fertig formuliert
  • Belegeinsicht anfordern: Brennstoffrechnungen & Ablesewerte prüfen
  • Widerspruch Heizkostenabrechnung mit Fristwächter
  • Antwort-Analyse: was die Reaktion des Vermieters wert ist

Sind meine Heizkosten normal? Die Richtwerte 2025

Der jährliche Heizspiegel (co2online mit dem Deutschen Mieterbund) wertet rund 90.000 Gebäudedatensätze aus. Für das Abrechnungsjahr 2024 sehen die Durchschnittswerte einer 70-m²-Wohnung im Mehrfamilienhaus so aus:

EnergieträgerØ Kosten/Jahr (70 m²)Einordnung
Erdgasca. 1.180 €Ø 16,86 €/m² im Jahr – häufigster Energieträger
Fernwärmeca. 1.245 €große Spanne: 545 bis über 2.000 €
Heizölca. 1.055 €Spanne 720–1.540 €
Wärmepumpeca. 715 €seit 2022 günstiger als Gas und Öl

Rechne dein Ergebnis selbst: Heizkosten geteilt durch Wohnfläche. Beim Gas-Durchschnitt von rund 17 €/m² im Jahr ist ab etwa 25 €/m² Skepsis angebracht – dann steckt entweder ein unsanierter Altbau dahinter oder ein Fehler in der Abrechnung.

Schnellcheck: € pro m² und Jahr

Die 70/30-Falle: Wie viel nach Verbrauch abgerechnet werden muss

§ 7 HeizKV schreibt vor, dass 50 bis 70 % der Heizkosten nach deinem tatsächlichen Verbrauch verteilt werden müssen – der Rest läuft als Grundkosten über die Wohnfläche. Steht in deiner Abrechnung ein anderer Schlüssel oder wurde komplett nach Fläche verteilt, ist das kein Schönheitsfehler, sondern der Hebel für die 15-%-Kürzung.

15 % kürzen – wann § 12 HeizKV greift

Wurde nicht verbrauchsabhängig abgerechnet, obwohl es möglich gewesen wäre, darfst du deinen Anteil um 15 % kürzen – einfach vom Gesamtbetrag deiner Heiz- und Warmwasserkosten. Seit der HeizKV-Novelle gibt es zusätzlich ein 3-%-Kürzungsrecht, wenn der Vermieter trotz fernablesbarer Zähler keine monatlichen Verbrauchsinformationen liefert. Den passenden Rechner findest du auf unserer Fehler-Seite – dort rechnest du den Kürzungsbetrag in Euro aus.

CO₂-Kostenaufteilung: Der Posten, der 2023 kam und oft fehlt

Seit dem 1. Januar 2023 muss der Vermieter einen Teil der CO₂-Kosten tragen – gestaffelt nach dem Zustand des Gebäudes. Das Zehn-Stufen-Modell reicht von 0 % Vermieteranteil (sehr effizientes Haus unter 12 kg CO₂/m² im Jahr) bis 95 % Vermieteranteil beim schlechtesten Stand (ab 52 kg). Je schlechter gedämmt, desto mehr zahlt der Vermieter – die Logik: Du kannst nichts für die alte Fassade.

Aus 13 Jahren VerwaltungIn den ersten beiden Jahren nach Einführung habe ich kaum eine Messdienst-Abrechnung gesehen, bei der die CO₂-Aufteilung von selbst richtig ankam – mal fehlte sie ganz, mal stand das Gebäude in Stufe 1, obwohl es ein unsanierter 60er-Jahre-Bau war. Der Grund ist banal: Die Stufe berechnet sich aus Brennstoffverbrauch und Fläche, und wenn beim Dienstleister eine falsche Gesamtfläche hinterlegt ist, rutscht das ganze Haus in die falsche Stufe. Prüf als Erstes, ob der Abschnitt „Kohlendioxidkostenaufteilung“ überhaupt existiert – fehlt er bei Gas oder Öl, fehlt dir Geld.

Der Einkaufspreis: Wirtschaftlichkeitsgebot ernst nehmen

Der Vermieter darf Energie nicht zu Mondpreisen einkaufen und durchreichen (§ 556 Abs. 3 BGB i. V. m. dem Wirtschaftlichkeitsgebot). Eine Stichprobe von co2online und Finanztip fand in Abrechnungen Gaspreise zwischen 3,7 und 15,8 Cent pro Kilowattstunde – mehr als das Vierfache Unterschied. Zum Vergleich: Ende 2025 lag der Marktpreis um 12 Cent/kWh. Steht auf deiner Abrechnung deutlich mehr, fordere mit der Belegeinsicht die Brennstoffrechnung an.

Die drei Posten, die ich am häufigsten korrigieren musste

Erstens die Nutzerwechselgebühr: Zieht jemand aus, berechnet der Messdienst eine Zwischenablesung – die gehört zum ausziehenden Mieter oder zum Vermieter, landet aber gern anteilig bei allen. Zweitens die Schätzung ohne Grund: Verbrauch darf nur geschätzt werden, wenn die Ablesung nachweislich nicht möglich war; „Termin nicht zustande gekommen“ reicht auf Dauer nicht. Drittens der Warmwasser-Trennwert: Bei verbundenen Anlagen muss die Wärmemenge fürs Warmwasser gemessen oder nach der Formel der HeizKV getrennt werden – wird stattdessen frei geschätzt, stimmt die ganze Verteilung nicht. Details dazu auf den Seiten Heizkosten, Warmwasser und verbundene Anlage.

Heiz- und Nebenkostenabrechnung in einem Rutsch prüfen

Foto oder PDF genügt – der Check rechnet Verteilerschlüssel nach, prüft die 70/30-Regel, sucht die CO₂-Aufteilung und vergleicht deine Kosten mit den Richtwerten. Die Hälfte aller Funde sofort kostenlos.

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Grundlagen

Heizkostenverordnung (§§ 7, 9, 12): gesetze-im-internet.de · CO2KostAufG: gesetze-im-internet.de · Heizspiegel 2025: heizspiegel.de (co2online/DMB, Abrechnungsjahr 2024)

Ein Posten wandert oft fälschlich in die Heizkosten: die Schornsteinfeger-Gebühren – sie gehören als eigene Position abgerechnet, Details unter Schornsteinfegerkosten.

Fristen & Verjährung: Für die Heizkostenabrechnung gilt dieselbe Uhr

Die Heizkostenabrechnung ist rechtlich Teil der Betriebskostenabrechnung – deshalb gelten dieselben Fristen: Zugang bis zwölf Monate nach Ende des Abrechnungszeitraums (§ 556 Abs. 3 BGB), sonst ist die Nachforderung verloren; deine Einwendungsfrist läuft ebenfalls zwölf Monate ab Zugang, und Nachforderungen verjähren in drei Jahren. Bis wann die Heizkostenabrechnung vorliegen muss, hängt also nur vom Abrechnungszeitraum ab – für 2025 (Kalenderjahr) bis zum 31.12.2026. Häufiger Streitfall: Die Heizkostenabrechnung fehlt, die übrige Abrechnung ist da. Dann ist die Abrechnung unvollständig – die Nachforderung wird insoweit nicht fällig, und liefert der Vermieter den Heizkosten-Teil erst nach dem Stichtag nach, ist dieser Teil der Nachforderung ausgeschlossen. Alle Stichtage: Fristen-Übersicht.

50/50 oder 70/30? Verteilung, Gradtagszahlen und Wärmemengenzähler

Die Heizkostenverordnung schreibt vor: 50 bis 70 % nach erfasstem Verbrauch, der Rest nach Wohnfläche (§ 7 HeizkostenV) – wo genau in dieser Spanne, wählt der Vermieter. Was ist für dich besser? Heizt du wenig (sparsam, kleine Wohnung, mittlere Etage), profitierst du von einem hohen Verbrauchsanteil (70/30); heizt du viel (Erdgeschoss, Giebelwohnung, Homeoffice), fährt dich 50/50 günstiger. Eine Abrechnung „30/70" zulasten des Verbrauchs ist unzulässig. Erfasst wird per Heizkostenverteiler an den Heizkörpern oder per Wärmemengenzähler – letzterer misst die tatsächlich bezogene Wärme in kWh und ist die genaueste Variante. Fällt ein Gerät aus oder gab es einen Nutzerwechsel ohne Zwischenablesung, darf der Verbrauch geschätzt werden (§ 9a HeizkostenV): nach dem Verbrauch vergleichbarer Zeiträume oder vergleichbarer Räume – oder nach der Gradtagszahlen-Tabelle, die das Abrechnungsjahr nach Heizintensität der Monate gewichtet (die Wintermonate tragen den Löwenanteil). Eine Schätzung von mehr als 25 % der Gesamtfläche macht die verbrauchsabhängige Abrechnung insgesamt angreifbar.

Messdienst-Abrechnung lesen: ista, Techem, Brunata – und die neuen Pflichten

In den meisten Häusern erstellt ein Messdienstleister (ista, Techem, Brunata Minol & Co.) die Einzelabrechnung – der Vermieter reicht sie durch. Prüfen lohnt sich doppelt: Die Kosten des Messdienstes selbst sind zwar umlagefähig, müssen aber ausgewiesen und angemessen sein (mehr als 15 % der Brennstoffkosten gelten als unwirtschaftlich). Seit der HeizkostenV-Novelle gilt außerdem: Sind fernablesbare Erfassungsgeräte installiert, muss dir der Vermieter monatliche Verbrauchsinformationen zukommen lassen – tut er das nicht, darfst du den auf dich entfallenden Heizkostenanteil um 3 % kürzen (§ 6a HeizkostenV). Und ab dem 1. Januar 2027 müssen alle Erfassungsgeräte fernablesbar sein – die digitale Heizkostenabrechnung wird damit Standard. Deine eigene Abrechnung erstellen musst du als Mieter nie – Muster, Beispiel-Aufbau und die Excel-Frage für Vermieter (auch Zweifamilienhaus mit nur zwei Parteien) stehen im Erstellen-Ratgeber. Wer die Heizkostenabrechnung selbst berechnen oder anfechten will: Die Verbrauchskosten kannst du mit den Ablesewerten nachrechnen; „anfechten" heißt auch hier Einwendungen erheben, und wer die Heizkostenabrechnung nicht bezahlen will, findet die drei legitimen Gründe im Nicht-bezahlen-Ratgeber. Beim Mieterwechsel oder Auszug im Abrechnungsjahr gilt: Zwischenablesung oder Gradtage-Aufteilung, keine simple Zwölftelung der Verbrauchskosten. Die CO2-Abgabe (CO2-Kostenaufteilung) muss seit 2023 nach dem Stufenmodell zwischen Vermieter und Mieter aufgeteilt sein – fehlt die Aufteilung, ist die Abrechnung insoweit falsch und die Nachzahlung kürzbar. Und eine Abrechnung ganz ohne Verbrauchserfassung ist nicht gleich unwirksam – sie löst dein 15-%-Kürzungsrecht aus. Bezieht du Bürgergeld, muss die Heizkosten-Nachzahlung fristgerecht erfolgen und gehört sofort zum Jobcenter; unabhängige Hilfe bietet daneben die Verbraucherzentrale.

Häufige Fragen

Wann darf ich die Heizkostenabrechnung um 15 % kürzen?
Wenn nicht verbrauchsabhängig abgerechnet wurde, obwohl es möglich gewesen wäre (§ 12 HeizKV) – etwa bei fehlenden Zählern oder reiner Flächenverteilung. Die 15 % ziehst du pauschal von deinem Heiz- und Warmwasseranteil ab; den Betrag liefert der Rechner auf der Fehler-Seite.
Woher weiß ich, in welcher CO₂-Stufe mein Haus ist?
Die Stufe muss in der Abrechnung stehen (Abschnitt „Kohlendioxidkostenaufteilung“) und berechnet sich aus dem CO₂-Ausstoß pro m² und Jahr: unter 12 kg trägt der Vermieter 0 %, ab 52 kg bis zu 95 %. Fehlt der Abschnitt bei Gas oder Öl komplett, ist die Abrechnung an dieser Stelle fehlerhaft.
Darf der Verbrauch einfach geschätzt werden?
Nur ausnahmsweise, wenn die Ablesung aus zwingenden Gründen nicht möglich war – dann nach Vorjahresverbrauch oder vergleichbaren Räumen. Steht zwei Jahre in Folge „geschätzt“ auf deiner Abrechnung, fordere die Begründung und die Ablesehistorie an.
Sind 25 € pro m² Heizkosten im Jahr noch normal?
Für Gas liegt der Durchschnitt bei rund 17 €/m² im Jahr (Heizspiegel 2025). 25 €/m² sind nur in schlecht gedämmten Altbauten plausibel – sonst lohnt der Blick auf Einkaufspreis, Verteilerschlüssel und CO₂-Aufteilung.
Gilt für die Heizkostenabrechnung dieselbe 12-Monats-Frist?
Ja. Die Heizkosten sind Teil der Betriebskostenabrechnung: Zugang binnen 12 Monaten nach Ende des Abrechnungszeitraums, deine Einwendungen binnen 12 Monaten ab Zugang. Alle Fristen mit Stichtag-Tabelle.
Kann ich die Heizkostenabrechnung kostenlos prüfen lassen?
Ja – direkt hier: Abrechnung fotografieren oder hochladen, der Check prüft Verteilerschlüssel, 70/30-Regel, CO₂-Aufteilung und Richtwerte. Die Hälfte aller Funde siehst du sofort und kostenlos.
Bis wann muss die Heizkostenabrechnung vorliegen?
Wie die gesamte Nebenkostenabrechnung: binnen zwölf Monaten nach Ende des Abrechnungszeitraums – für 2025 also bis 31.12.2026. Danach ist die Heizkosten-Nachforderung ausgeschlossen.
Wann verjährt eine Heizkostenabrechnung?
Nachforderungen aus einer rechtzeitig zugegangenen Abrechnung verjähren in drei Jahren, gerechnet ab Ende des Jahres des Zugangs. Dein Guthaben verjährt ebenso – also nicht liegen lassen.
Ist 70/30 oder 50/50 besser für mich als Mieter?
Sparsame Heizer profitieren von 70/30 (hoher Verbrauchsanteil), Vielheizer von 50/50. Der Vermieter wählt innerhalb der Spanne – außerhalb (etwa 30/70) ist unzulässig und macht die Abrechnung angreifbar.
Darf der Verbrauch einfach geschätzt werden?
Nur in den Fällen des § 9a HeizkostenV (Geräteausfall, fehlende Zwischenablesung beim Nutzerwechsel) – nach Vergleichszeiträumen, Vergleichsräumen oder Gradtagszahlen. Wird mehr als ein Viertel der Fläche geschätzt, kippt die verbrauchsabhängige Abrechnung.
Was bringt mir die monatliche Verbrauchsinfo – und was, wenn sie fehlt?
Bei fernablesbaren Geräten muss sie dir monatlich zugehen (Papier, Mail oder Portal). Fehlt sie, kürzt du den Heizkostenanteil um 3 % (§ 6a HeizkostenV) – zusätzlich zur 15-%-Kürzung, falls gar nicht verbrauchsabhängig abgerechnet wurde.
Ben Ambros, Immobilienkaufmann
Ben Ambros · Immobilienkaufmann
13 Jahre Hausverwalter in München (über 1.000 Wohnungen), heute Makler für Mehrfamilienhäuser in Murnau. Schreibt hier über das, was er früher selbst abgerechnet hat. Über Ben →
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