Mehrbedarf beim Jobcenter: wer ihn bekommt, wie viel, wie du ihn beantragst
Du bist schwanger, erziehst allein, brauchst wegen einer Krankheit teurere Lebensmittel, oder das Warmwasser kommt aus dem Durchlauferhitzer. Dann zahlt das Jobcenter zum Regelbedarf einen Mehrbedarf dazu. Er ist ein Zuschuss, und eine Mitteilung mit Nachweis reicht.
Stand: Oktober 2026 · Redaktion: Ben Ambros · Gesetze und Urteile unter „Grundlagen“ am Seitenende

Mehrbedarf beim Jobcenter 2026: Prozentsätze und Beträge
Die meisten Mehrbedarfe sind ein fester Prozentsatz deines Regelbedarfs. Der Regelbedarf beim Grundsicherungsgeld, bis Juni 2026 Bürgergeld, ist 2026 unverändert: 563 € allein oder allein erziehend, 506 € je Partner (§ 20 SGB II).
| Mehrbedarf | Für wen | Höhe | Bei 563 € |
|---|---|---|---|
| Schwangerschaft | ab der 13. Woche bis Ende des Monats der Geburt | 17 % | 95,71 € |
| Alleinerziehend | ein Kind unter 7 oder zwei bis drei Kinder unter 16 | 36 % | 202,68 € |
| Alleinerziehend | sonst je Kind, wenn das mehr ergibt | 12 % je Kind, höchstens 60 % | 67,56 € je Kind, höchstens 337,80 € |
| Behinderung | erwerbsfähig, mit Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben oder Eingliederungshilfe | 35 % | 197,05 € |
| Merkzeichen G | nicht erwerbsfähig und voll erwerbsgemindert | 17 % | je nach Regelbedarf |
| Kostenaufwändige Ernährung | aus medizinischen Gründen | angemessene Höhe | je nach Krankheit |
| Warmwasser aus Durchlauferhitzer oder Boiler | jede Person im Haushalt | 2,3 %, Kinder 0,8 bis 1,4 % | 12,95 € |
| Unabweisbarer besonderer Bedarf | im Einzelfall, laufend, einmalig nur ausnahmsweise | in Höhe des Bedarfs | je nach Bedarf |
Grundlage sind § 21 Abs. 2 bis 7 SGB II, für das Merkzeichen G § 23 Nr. 4 SGB II. Die Mehrbedarfe für Schwangerschaft, Alleinerziehende, Behinderung und Ernährung dürfen zusammen nicht höher sein als der Regelbedarf (§ 21 Abs. 8 SGB II). Verlangt die Schule Schulbücher oder Arbeitshefte, die du kaufen oder ausleihen musst, zahlt das Jobcenter auch sie als Mehrbedarf (§ 21 Abs. 6a SGB II).
Beispiel: Paul Muster lebt allein mit seinen Kindern, 4 und 9 Jahre alt. Weil ein Kind unter 7 ist, bekommt er 36 Prozent, also 202,68 € im Monat. Lebte nur der Neunjährige bei ihm, wären es 12 Prozent, 67,56 €.
Wer bekommt welchen Mehrbedarf?
- Schwangere bekommen den Mehrbedarf nach der zwölften Schwangerschaftswoche bis zum Ende des Monats, in den die Geburt fällt (§ 21 Abs. 2 SGB II). Als Nachweis reicht eine ärztliche Bescheinigung oder der Mutterpass mit dem errechneten Termin. Für Babyausstattung und Umstandskleidung gibt es zusätzlich die Erstausstattung vom Jobcenter.
- Alleinerziehende, die mit minderjährigen Kindern zusammenleben und allein für sie sorgen (§ 21 Abs. 3 SGB II). Mit dem 18. Geburtstag zählt ein Kind dafür nicht mehr.
- Menschen mit Behinderung, die erwerbsfähig sind und Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben nach § 49 SGB IX, sonstige Hilfen für einen geeigneten Arbeitsplatz oder Eingliederungshilfe nach § 112 SGB IX bekommen. Einzelne Leistungen nach § 49 Abs. 3 SGB IX sind ausgenommen. Nach dem Ende der Maßnahme kann der Mehrbedarf eine Übergangszeit weiterlaufen (§ 21 Abs. 4 SGB II). Wer nicht erwerbsfähig und voll erwerbsgemindert ist und einen Ausweis mit Merkzeichen G hat, bekommt 17 Prozent, aber nicht zusätzlich zu den 35 Prozent (§ 23 Nr. 4 SGB II).
- Kranke, die aus medizinischen Gründen eine teurere Ernährung brauchen (§ 21 Abs. 5 SGB II). Die Bescheinigung der Bundesagentur, Anlage MEB, nennt etwa Zöliakie, Mukoviszidose, Nierenversagen mit Dialyse, Schluckstörungen und Mangelernährung durch Krankheit. Für die Höhe verweist sie auf die Empfehlungen des Deutschen Vereins. Reicht eine Umstellung der Ernährung ohne Mehrkosten, gibt es nichts.
- Haushalte mit dezentralem Warmwasser: Ein Durchlauferhitzer oder Boiler in der Wohnung erwärmt das Wasser, und es läuft nicht über die Heizkosten (§ 21 Abs. 7 SGB II). Mehr als die Pauschale gibt es nur mit separatem Zähler.
- Ein unabweisbarer besonderer Bedarf, der deutlich vom Durchschnitt abweicht, den niemand sonst übernimmt und den du trotz Sparen nicht aus dem Regelbedarf zahlen kannst (§ 21 Abs. 6 SGB II). Einmalige Bedarfe gehören nur dazu, wenn ein Darlehen nicht zumutbar oder nicht möglich ist; sonst gilt das Darlehen vom Jobcenter.
Antrag auf Mehrbedarf beim Jobcenter: Formular oder Brief
Einen eigenen Antrag schreibt das Gesetz nicht vor. Mehrbedarfe gehören zum Grundsicherungsgeld (§ 19 Abs. 1 Satz 3 SGB II). Gesondert beantragen musst du nur Darlehen, Erstausstattung und einen Teil des Bildungspakets (§ 37 Abs. 1 Satz 2 SGB II). Das Jobcenter zahlt aber nur, wovon es weiß. Melde den Mehrbedarf deshalb schriftlich und leg Nachweise bei.
- Beim Antrag auf Grundsicherungsgeld oder bei der Weiterbewilligung: Gib den Mehrbedarf gleich mit an und leg den Nachweis bei.
- Kommt er später dazu: Ein Brief reicht (Muster 1), auch als Nachricht über den Postfachservice von jobcenter.digital.
- Formulare: Ein Formular für alle Mehrbedarfe gibt es nicht. Für die Ernährung hat die Bundesagentur die Anlage MEB mit ärztlicher Bescheinigung, für den besonderen Bedarf die Anlage BB. Beide findest du bei den Formularen der Bundesagentur für Arbeit.
- Gesundheitsdaten: Das Attest kannst du in einem verschlossenen Umschlag abgeben. Die Schweigepflichtentbindung ist freiwillig; fehlen dann Nachweise, kann das Jobcenter den Mehrbedarf aber ablehnen.
Fehlt ein Mehrbedarf in einem älteren Bescheid, obwohl die Voraussetzungen damals schon vorlagen, hilft ein Überprüfungsantrag.
Antrag auf Mehrbedarf: Muster als Word und PDF
Muster 1 meldet Schwangerschaft, Alleinerziehung, Teilhabeleistungen oder dezentrales Warmwasser; behalte nur die Absätze, die passen. Muster 2 begleitet das Attest für die Ernährung, Muster 3 beantragt einen besonderen laufenden Bedarf. Alle schicken wir dir kostenlos als PDF per Mail.
Schick die Mitteilung an dein Jobcenter, sobald der Mehrbedarf entsteht, etwa ab der 13. Schwangerschaftswoche. Behalte nur die Absätze, die auf dich zutreffen, und leg Nachweise in Kopie bei. Abgeben kannst du sie gegen Eingangsstempel, per Fax mit Sendebericht oder über den Postfachservice von jobcenter.digital.
Muster 1 · Antrag auf Mehrbedarf nach § 21 SGB II
Betreff: Antrag auf Mehrbedarf nach § 21 SGB II, BG-Nummer [BG-Nummer]
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich beantrage für [mich / meine Tochter Mia Beispiel, geboren am 02.03.2015] einen Mehrbedarf nach § 21 SGB II ab [Monat, ab dem der Mehrbedarf gilt].
[Optional: Ich bin schwanger, der errechnete Geburtstermin ist der [Geburtstermin]. Ich beantrage den Mehrbedarf nach § 21 Abs. 2 SGB II ab der 13. Schwangerschaftswoche.]
[Optional: Ich lebe allein mit [Zahl der Kinder] Kindern im Alter von [Alter der Kinder] Jahren zusammen und sorge allein für ihre Pflege und Erziehung (§ 21 Abs. 3 SGB II).]
[Optional: Ich erhalte seit [Beginn der Maßnahme] Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, nämlich [Art der Maßnahme] (§ 21 Abs. 4 SGB II).]
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Muster 2 · Mehrbedarf für kostenaufwändige Ernährung: Brief zum Attest
Betreff: Antrag auf Mehrbedarf für kostenaufwändige Ernährung nach § 21 Abs. 5 SGB II, BG-Nummer [BG-Nummer]
Sehr geehrte Damen und Herren,
für [mich / Name der erkrankten Person] beantrage ich einen Mehrbedarf für kostenaufwändige Ernährung nach § 21 Abs. 5 SGB II ab [Monat, ab dem der Mehrbedarf gilt].
Die ärztliche Bescheinigung liegt in einem verschlossenen Umschlag bei. …
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Beschreib den Bedarf so genau wie möglich: was, wie oft, wie teuer und warum niemand sonst zahlt. Leg Belege in Kopie bei, keine Originale. Schickt dir das Jobcenter danach die Anlage BB, füll sie aus und gib sie zurück. Abgabe gegen Eingangsstempel oder per Fax mit Sendebericht.
Muster 3 · Antrag auf Mehrbedarf für einen besonderen Bedarf (§ 21 Abs. 6 SGB II)
Betreff: Antrag auf Mehrbedarf für einen unabweisbaren besonderen Bedarf nach § 21 Abs. 6 SGB II, BG-Nummer [BG-Nummer]
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich beantrage einen Mehrbedarf nach § 21 Abs. 6 SGB II für [Bedarf: wofür du mehr Geld brauchst, z. B. die Fahrtkosten, um meinen Sohn jedes zweite Wochenende bei seiner Mutter in Erfurt abzuholen].
Der Bedarf fällt [monatlich / vierteljährlich] an und beträgt [Betrag im Monat] €. [Berechnung: wie sich der Betrag ergibt, z. B. zwei Fahrten im Monat mit der Bahn zu je 46 € hin und zurück]
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Mehrbedarf abgelehnt oder zu niedrig: Widerspruch
Gegen die Ablehnung hast du einen Monat Zeit für den Widerspruch: Widerspruch beim Jobcenter. Prüf vorher den Berechnungsbogen, dort steht jeder Mehrbedarf in einer eigenen Zeile.
- Satz nachrechnen: Bei Alleinerziehenden gelten 36 Prozent schon mit einem Kind unter 7 oder mit zwei Kindern unter 16.
- Ernährung abgelehnt: Lass die ärztliche Bescheinigung ergänzen, mit Erkrankung, Kostform und Dauer.
- Besonderer Bedarf abgelehnt: Belege, dass er regelmäßig anfällt, niemand sonst zahlt und du ihn nicht aus dem Regelbedarf decken kannst.
Häufige Fragen
Muss ich Mehrbedarf beim Jobcenter beantragen?
Gibt es ein Formular für den Antrag auf Mehrbedarf?
Wie viel Mehrbedarf bekommen Alleinerziehende 2026?
Ab wann gibt es den Mehrbedarf in der Schwangerschaft?
Bekomme ich Mehrbedarf für eine besondere Ernährung?
Wie viel Mehrbedarf gibt es für Warmwasser?
Gibt es Mehrbedarf beim Merkzeichen G?
Bekomme ich einen Mehrbedarf rückwirkend?
Gilt der Mehrbedarf auch nach dem Ende des Bürgergelds?
Grundlagen
§ 19 Abs. 1, § 20, § 21 Abs. 2 bis 8, § 23 Nr. 4, § 37 Abs. 1 SGB II in der Fassung ab 01.07.2026 (Dreizehntes Gesetz zur Änderung des SGB II vom 16.04.2026, BGBl. 2026 I Nr. 107) · Regelbedarfe 2026 nach der Regelbedarfsstufen-Fortschreibungsverordnung · Anlage MEB und Anlage BB der Bundesagentur für Arbeit · Stand: Oktober 2026
