Überprüfungsantrag nach § 44 SGB X: alte Bescheide korrigieren lassen
Der Bescheid vom Jobcenter, von der Rentenversicherung oder der Krankenkasse war falsch, und die Widerspruchsfrist ist vorbei. Mit einem Überprüfungsantrag muss die Stelle ihn noch einmal prüfen. Stimmt er nicht, zahlt sie das Fehlende nach, je nach Stelle für ein oder vier Jahre.
Stand: Oktober 2026 · Redaktion: Ben Ambros · Gesetze und Urteile unter „Grundlagen“ am Seitenende

Überprüfungsantrag nach § 44 SGB X: Wann er geht
Wenn ein Bescheid über Sozialleistungen oder Beiträge falsch war und die Widerspruchsfrist vorbei ist. Die Stelle muss ihn zurücknehmen, wenn sie das Recht falsch angewandt hat oder von einem falschen Sachverhalt ausgegangen ist und deshalb zu wenig gezahlt oder zu Unrecht Beiträge erhoben hat (§ 44 Abs. 1 SGB X).
- Das gilt auch, wenn der Bescheid längst unanfechtbar ist, also auch nach einem Widerspruchsbescheid.
- Ausgeschlossen ist es, wenn der Bescheid auf Angaben beruht, die du vorsätzlich falsch oder unvollständig gemacht hast (§ 44 Abs. 1 Satz 2 SGB X).
- Andere belastende Bescheide, etwa ein zu niedriger Grad der Behinderung, sind für die Zukunft zu korrigieren; für die Vergangenheit kann die Behörde es (§ 44 Abs. 2 SGB X). Läuft die Frist noch: Widerspruch gegen den GdB.
Der Antrag geht an Jobcenter, Agentur für Arbeit, Kranken- und Pflegekasse, Rentenversicherung, Sozialamt oder Versorgungsamt, also an die Stelle, die den Bescheid erlassen hat.
Überprüfungsantrag: Wie lange rückwirkend?
Höchstens vier Jahre, beim Jobcenter und beim Sozialamt ein Jahr. Gerechnet wird ab dem 1. Januar des Jahres, in dem dein Antrag eingeht (§ 44 Abs. 4 SGB X).
| Stelle | Nachzahlung | Antrag möglich bis |
|---|---|---|
| Kranken- und Pflegekasse, Rentenversicherung, Agentur für Arbeit | bis zu 4 Jahre (§ 44 Abs. 4 SGB X) | keine Frist im Gesetz; für ältere Zeiträume gibt es aber kein Geld mehr |
| Jobcenter (Grundsicherungsgeld) | 1 Jahr (§ 40 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 SGB II) | Ende des vierten Jahres nach dem Jahr, in dem der Bescheid kam (Nr. 1) |
| Sozialamt (Sozialhilfe, Grundsicherung im Alter) | 1 Jahr (§ 116a Nr. 2 SGB XII) | ebenso (§ 116a Nr. 1 SGB XII) |
Beispiel: Paul Muster stellt den Antrag im November 2026. Die Rentenversicherung zahlt ab 1. Januar 2022 nach, das Jobcenter ab 1. Januar 2025. Einen Bescheid des Jobcenters aus 2022 kann er nur noch bis 31. Dezember 2026 überprüfen lassen; nachgezahlt werden ihm dabei aber nur Leistungen ab 1. Januar 2025.
Seit 1. Juli 2026 heißt das Bürgergeld Grundsicherungsgeld. An diesen Fristen hat die Reform nichts geändert. Beruht der Fehler darauf, dass Gerichte eine Vorschrift später anders auslegen, zahlt das Jobcenter erst ab dieser Rechtsprechung (§ 40 Abs. 3 SGB II).
Überprüfungsantrag stellen: So gehst du vor
- Bescheid heraussuchen: Datum, Aktenzeichen, Zeitraum.
- Fehler benennen, so genau du kannst. Weißt du nicht, wie gerechnet wurde, beantrag zuerst Akteneinsicht (Muster 2).
- Den Antrag schriftlich an die Stelle schicken, die den Bescheid erlassen hat (Muster 1). Ein Formular brauchst du nicht (§ 9 SGB X).
- Eingang belegen: Abgabe gegen Eingangsstempel oder Fax mit Sendebericht. Für die Nachzahlung zählt das Jahr, in dem dein Antrag eingeht.
- Kommt nach sechs Monaten keine Entscheidung, ist die Untätigkeitsklage möglich (§ 88 Abs. 1 SGG).
Überprüfungsantrag nach § 44 SGB X: Muster als Word und PDF
Muster 1 passt für jede Stelle, ob Jobcenter, Krankenkasse oder Rentenversicherung. Muster 2 für die Akteneinsicht und Muster 3 für den Widerspruch gegen eine Ablehnung stehen weiter unten.
An die Stelle, die den Bescheid erlassen hat, mit Datum und Aktenzeichen des Bescheids. Schreib so genau wie möglich, was falsch ist, und leg Belege in Kopie bei. Fehlen dir Unterlagen, beantrag zuerst Akteneinsicht. Abgabe gegen Eingangsstempel oder Fax mit Sendebericht; für die Nachzahlung zählt das Jahr, in dem der Antrag eingeht.
Muster 1 · Überprüfungsantrag nach § 44 SGB X
Betreff: Antrag auf Überprüfung nach § 44 SGB X, [Aktenzeichen oder Versicherungsnummer]
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich beantrage, Ihren Bescheid vom [Datum des Bescheids] über [Gegenstand, z. B. Grundsicherungsgeld für 01.07.2025 bis 30.06.2026 / die Höhe meiner Rente / die Ablehnung des Krankengeldes] nach § 44 SGB X zu überprüfen und zurückzunehmen.
Der Bescheid ist rechtswidrig, weil [Begründung, z. B. die Heizkosten nur zur Hälfte berücksichtigt wurden / Kindererziehungszeiten fehlen / meine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nicht berücksichtigt wurde].
[Optional: Belege dazu liegen bei: [Liste der Anlagen].]
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Überprüfungsantrag bei Jobcenter, Arbeitsagentur, Krankenkasse und Rentenversicherung
Jobcenter: Nachzahlung für ein Jahr, Antrag bis Ende des vierten Jahres nach dem Bescheidjahr. Prüf etwa das angerechnete Einkommen, die Heizkosten und die Mehrbedarfe. Gib die BG-Nummer an; ein eigenes Muster steht unter Widerspruch beim Jobcenter. Nach einer vorläufigen Bewilligung gilt seit Juli 2026: Fehlende Einkommensnachweise müssen spätestens bis zum Ende des Widerspruchsverfahrens vorliegen, im Klageverfahren lassen sie sich nicht mehr nachreichen (§ 41a Abs. 3 SGB II).
Agentur für Arbeit: Für das Arbeitslosengeld gelten die vier Jahre aus § 44 Abs. 4 SGB X. Ein Antrag kommt etwa in Frage, wenn eine Sperrzeit zu Unrecht verhängt oder das Arbeitsentgelt falsch berechnet wurde.
Krankenkasse und Pflegekasse: Vier Jahre, auch für Beiträge, die zu Unrecht erhoben wurden (§ 44 Abs. 1 SGB X). Beispiele sind abgelehntes Krankengeld oder ein zu niedriger Pflegegrad.
Rentenversicherung: Vier Jahre. Prüf vor allem den Versicherungsverlauf: Fehlen Zeiten, etwa für Kindererziehung oder Ausbildung, ist die Rente zu niedrig.
Sozialamt: Ein Jahr wie beim Jobcenter (§ 116a SGB XII). Gegen neue Bescheide hilft der Widerspruch beim Sozialamt.
Akteneinsicht beantragen: § 25 SGB X und § 29 VwVfG
Du darfst deine Akte einsehen, soweit du sie brauchst, um deine rechtlichen Interessen geltend zu machen oder zu verteidigen (§ 25 Abs. 1 SGB X). Bei Behörden außerhalb des Sozialrechts, etwa der Ausländerbehörde, gilt dasselbe nach § 29 VwVfG oder nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz deines Landes.
- Einsicht nimmst du bei der Behörde, die die Akte führt, im Einzelfall auch bei einer anderen Behörde (§ 25 Abs. 4 SGB X).
- Du darfst abschreiben oder dir Kopien geben lassen. Für Kopien kann die Behörde einen angemessenen Ersatz ihrer Aufwendungen verlangen (§ 25 Abs. 5 SGB X).
- Elektronische Akten kann sie dir ausdrucken, am Bildschirm zeigen oder elektronisch bereitstellen.
- Angaben zur Gesundheit kann sie dir durch einen Arzt vermitteln lassen (§ 25 Abs. 2 SGB X).
An die Behörde, die deine Akte führt. Beim Jobcenter, bei Kassen und der Rentenversicherung gilt § 25 SGB X, bei anderen Behörden § 29 VwVfG oder das Verwaltungsverfahrensgesetz deines Landes. Du kannst vor Ort einsehen oder Kopien verlangen; für Kopien darf die Behörde einen angemessenen Ersatz ihrer Kosten verlangen.
Muster 2 · Antrag auf Akteneinsicht nach § 25 SGB X oder § 29 VwVfG
Betreff: Antrag auf Akteneinsicht, [Aktenzeichen oder Kundennummer]
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich beantrage Einsicht in meine Verwaltungsakte zu [Vorgang: Bescheid oder Antrag, um den es geht, z. B. Ihrem Bescheid vom 14.03.2026 über die Aufhebung und Erstattung] nach [§ 25 SGB X / § 29 VwVfG].
Ich brauche die Unterlagen, um [Zweck, z. B. einen Überprüfungsantrag / meinen Widerspruch] zu begründen.
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Überprüfungsantrag abgelehnt: Widerspruch einlegen
Die Ablehnung ist ein Bescheid. Gegen ihn hast du einen Monat ab Bekanntgabe (§ 84 SGG); kommt er mit der Post, gilt er am vierten Tag nach dem Absenden als bekannt gegeben (§ 37 Abs. 2 SGB X).
Bleibt es bei der Ablehnung, kannst du binnen eines Monats beim Sozialgericht klagen (§ 87 SGG), für Versicherte und Leistungsberechtigte ohne Gerichtskosten (§ 183 SGG). Ist dein Widerspruch drei Monate unbeantwortet, geht die Untätigkeitsklage (§ 88 Abs. 2 SGG).
Innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe des Ablehnungsbescheids; bei Post zählt der vierte Tag nach dem Absenden. An die Stelle aus dem Briefkopf. Unterschriebener Brief, Fax mit Sendebericht oder Niederschrift bei der Behörde; eine einfache E-Mail reicht nicht.
Muster 3 · Widerspruch gegen die Ablehnung des Überprüfungsantrags
Betreff: Widerspruch gegen die Ablehnung meines Überprüfungsantrags, [Aktenzeichen oder Versicherungsnummer]
Sehr geehrte Damen und Herren,
gegen Ihren Bescheid vom [Datum des Ablehnungsbescheids], mit dem Sie meinen Überprüfungsantrag vom [Datum des Überprüfungsantrags] abgelehnt haben, lege ich Widerspruch ein.
Meine Einwände haben Sie nicht oder nicht richtig berücksichtigt: [Begründung: was die Behörde übersehen hat, z. B. Die Nebenkostenabrechnung vom 15.04.2025 lag Ihnen vor, ist im Bescheid aber nicht berücksichtigt.]
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Häufige Fragen
Wie lange rückwirkend gilt ein Überprüfungsantrag nach § 44 SGB X?
Überprüfungsantrag beim Jobcenter: Wie lange rückwirkend?
Gibt es eine Frist für den Überprüfungsantrag?
Brauche ich ein Formular für den Überprüfungsantrag?
Geht ein Überprüfungsantrag auch nach einem Widerspruchsbescheid?
Was tun, wenn der Überprüfungsantrag abgelehnt wird?
Bürgergeld oder Grundsicherungsgeld: Gilt das auch für alte Bescheide?
Kostet die Akteneinsicht etwas?
Grundlagen
§§ 9, 25, 37, 44 SGB X · §§ 40, 41a SGB II in der Fassung ab 01.07.2026 (13. SGB II-Änderungsgesetz vom 16.04.2026, BGBl. 2026 I Nr. 107) · § 116a SGB XII · § 29 VwVfG · §§ 84, 87, 88, 183 SGG · Stand: Oktober 2026
