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Behörde · Klage

Untätigkeitsklage: Wann sie geht, was sie kostet und wie du sie einreichst

Dein Wohngeldantrag liegt seit Monaten, oder das Jobcenter entscheidet nicht über deinen Widerspruch. Dann kannst du beim Gericht beantragen, dass die Behörde entscheiden muss. Einen Anwalt brauchst du dafür nicht.

Kurz gesagt: Beim Verwaltungsgericht ist die Untätigkeitsklage drei Monate nach Antrag oder Widerspruch zulässig (§ 75 VwGO), beim Sozialgericht sechs Monate nach einem Antrag und drei Monate nach einem Widerspruch (§ 88 SGG). Am Sozialgericht zahlen Versicherte und Leistungsberechtigte keine Gerichtskosten (§ 183 SGG). Am Verwaltungsgericht fallen Gebühren an, außer etwa bei Wohngeld, BAföG und Jugendhilfe (§ 188 VwGO); sie trägt die Behörde, wenn du vor der Klage mit einer Entscheidung rechnen durftest (§ 161 Abs. 3 VwGO). Für das Finanzamt gelten eigene Regeln: Untätigkeitseinspruch beim Finanzamt.

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Stand: Oktober 2026 · Redaktion: Ben Ambros · Gesetze und Urteile unter „Grundlagen“ am Seitenende

Infografik Untätigkeitsklage: Ab wann darf ich klagen? Nach 3 oder 6 Monaten. Karte nach § 75 VwGO und § 88 SGG: Verwaltungsgericht, Antrag oder Widerspruch, 3 Monate; Sozialgericht, Widerspruch, 3 Monate; Sozialgericht, Antrag ohne Bescheid, 6 Monate, ohne Gerichtskosten; Behörde hat guten Grund, Gericht setzt ihr eine Frist. Schritte: nachfragen, letzte Frist setzen, Klage einreichen.
Beim Verwaltungsgericht geht die Untätigkeitsklage nach drei Monaten (§ 75 VwGO), beim Sozialgericht für Anträge nach sechs Monaten (§ 88 SGG). Grafik: reklamo.ai

Ab wann ist eine Untätigkeitsklage möglich?

Nach drei Monaten, beim Sozialgericht für einen Antrag erst nach sechs. Die Zeit läuft ab dem Tag, an dem du den Antrag gestellt oder den Widerspruch eingelegt hast.

Wer entscheidet nichtGerichtKlage frühestensGerichtskosten
Jobcenter, Sozialamt, Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung, Agentur für Arbeit, VersorgungsamtSozialgericht (§ 51 SGG)Antrag: 6 Monate, Widerspruch: 3 Monate (§ 88 SGG)keine (§ 183 SGG)
Wohngeldstelle, BAföG-Amt, Jugendamt, Bauamt, Ausländerbehörde, EinbürgerungsbehördeVerwaltungsgericht (§ 40 VwGO)3 Monate (§ 75 VwGO)nach Streitwert; keine bei Wohngeld, BAföG, Jugendamt (§ 188 VwGO)
Finanzamt, Familienkasse beim KindergeldFinanzgerichteigene Regelnsiehe Untätigkeitseinspruch

Die Behörde darf länger brauchen, wenn sie dafür einen zureichenden Grund hat. Dann setzt das Gericht das Verfahren aus und gibt ihr eine Frist (§ 75 Satz 3 VwGO, § 88 Abs. 1 Satz 2 SGG). Umgekehrt kann die Klage beim Verwaltungsgericht früher gehen, wenn besondere Umstände des Falls das gebieten (§ 75 Satz 2 VwGO).

Eine Frist, bis wann du spätestens klagen musst, gibt es nicht; das Sozialgerichtsgesetz sagt das ausdrücklich (§ 89 SGG).

Vor der Untätigkeitsklage: nachfragen und eine letzte Frist setzen

Vorgeschrieben ist eine Ankündigung nicht. Sie hilft trotzdem: Du erfährst, ob Unterlagen fehlen, und du kannst später zeigen, dass du mit einer Entscheidung rechnen durftest. Das zählt bei den Kosten (§ 161 Abs. 3 VwGO).

Untätigkeitsklage einreichen: Form, Inhalt, zuständiges Gericht

Ein Brief an das Gericht genügt. Du kannst die Klage auch bei der Geschäftsstelle des Gerichts zur Niederschrift erheben (§ 81 Abs. 1 VwGO); beim Sozialgericht hilft dir der Urkundsbeamte dort beim Formulieren. Elektronisch geht es über Mein Justizpostfach, kostenlos und mit BundID und Online-Ausweis. Eine einfache E-Mail gehört nicht zu den sicheren Übermittlungswegen (§ 55a Abs. 4 VwGO).

Zuständig ist beim Sozialgericht das Gericht an deinem Wohnort (§ 57 SGG). Beim Verwaltungsgericht ist es das Gericht für den Bezirk der Behörde; ist sie für mehrere Gerichtsbezirke zuständig, das an deinem Wohnort (§ 52 Nr. 3 VwGO). Einen Anwalt brauchst du in der ersten Instanz nicht (§ 67 Abs. 1 VwGO, § 73 Abs. 1 SGG). Vor dem Sozialgericht dürfen dich auch Gewerkschaften und Sozialverbände vertreten, wenn du dort Mitglied bist.

Untätigkeitsklage Muster: 3 Vorlagen als Word und PDF

Muster 1 ist die Klage beim Sozialgericht, etwa gegen Jobcenter, Krankenkasse oder Rentenversicherung. Muster 2 ist die Klage beim Verwaltungsgericht, etwa bei Wohngeld oder BAföG. Muster 3 ist die letzte Erinnerung an die Behörde. Für Einbürgerung und Ausländerbehörde gibt es eigene Muster auf der Seite zur Einbürgerung.

An das Sozialgericht an deinem Wohnort. Beklagt ist der Träger, also etwa das Jobcenter oder die Krankenkasse. Leg Kopien von Antrag oder Widerspruch und deinen Nachfragen bei, die Klage am besten zweifach. Gib sie bei der Geschäftsstelle gegen Eingangsstempel ab, schick sie per Post oder über Mein Justizpostfach.

Muster 1 · Untätigkeitsklage beim Sozialgericht (§ 88 SGG)

Betreff: Untätigkeitsklage gegen [Name der Behörde oder des Trägers], Aktenzeichen [Aktenzeichen]

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich erhebe Untätigkeitsklage gegen die oben genannte Beklagte, [Anschrift der Behörde oder des Trägers].

Am [Datum des Antrags oder Widerspruchs] habe ich [Gegenstand, z. B. Grundsicherungsgeld ab 01.03.2026 beantragt / Widerspruch gegen den Bescheid vom 03.03.2026 eingelegt]. Ich beantrage, die Beklagte zu verpflichten, darüber zu entscheiden.

Begründung: Seitdem sind mehr als [sechs Monate (Antrag) / drei Monate (Widerspruch)] vergangen. …

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An das Verwaltungsgericht für den Bezirk der Behörde. Nenn die Behörde mit Anschrift; fehlt etwas, fordert dich das Gericht zur Ergänzung auf (§ 82 Abs. 2 VwGO). Leg Kopien von Antrag, Eingangsbestätigung und Nachfragen bei, dazu eine Abschrift der Klage für die Gegenseite. Die Gerichtsgebühr wird schon mit der Klage fällig; bei Wohngeld, BAföG und Jugendhilfe fällt keine an (§ 188 VwGO).

Muster 2 · Untätigkeitsklage beim Verwaltungsgericht (§ 75 VwGO)

Betreff: Untätigkeitsklage, Aktenzeichen der Behörde [Aktenzeichen]

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich erhebe Klage gegen [Name der Behörde und ihres Trägers, z. B. Stadt Musterstadt, Wohngeldstelle], [Anschrift der Behörde].

Am [Datum des Antrags oder Widerspruchs] habe ich [Gegenstand, z. B. Wohngeld ab 01.05.2026 beantragt / Widerspruch gegen den Bescheid vom 03.03.2026 eingelegt]. Darüber ist seit mehr als drei Monaten ohne zureichenden Grund nicht entschieden. Die Klage ist deshalb nach § 75 VwGO zulässig.

Ich beantrage, die Beklagte zu verpflichten, [Ziel, z. B. mir das beantragte Wohngeld zu bewilligen], hilfsweise, darüber zu entscheiden.

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An die Behörde, die über deinen Antrag oder Widerspruch entscheiden muss. Schick sie kurz bevor die drei oder sechs Monate um sind. Frag nach dem Grund der Verzögerung: Nennt die Behörde einen, kann eine sofortige Klage am Verwaltungsgericht Geld kosten. Kopie behalten und den Versandnachweis aufheben.

Muster 3 · Letzte Erinnerung mit Ankündigung der Untätigkeitsklage

Betreff: Bitte um Entscheidung, Aktenzeichen [Aktenzeichen]

Sehr geehrte Damen und Herren,

am [Datum des Antrags oder Widerspruchs] habe ich [Gegenstand, z. B. Wohngeld beantragt / Widerspruch gegen Ihren Bescheid vom 03.03.2026 eingelegt]. Entschieden haben Sie bisher nicht.

Bitte entscheiden Sie bis zum [Datum]. Fehlen Ihnen noch Unterlagen, nennen Sie sie mir bitte sofort.

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Was kostet eine Untätigkeitsklage?

Beim Sozialgericht nichts, wenn du als Versicherter, Leistungsberechtigter oder Mensch mit Behinderung klagst (§ 183 SGG). Beim Verwaltungsgericht fallen drei Gerichtsgebühren an (Nr. 5110 KV GKG), fällig schon mit der Klage (§ 6 Abs. 1 Nr. 5 GKG). Ihre Höhe hängt vom Streitwert ab. Keine Gerichtskosten gibt es dort bei Wohngeld, BAföG und Jugendhilfe (§ 188 VwGO; für Wohngeld BVerwG, Urteil vom 23.04.2019, 5 C 2.18).

BeispielStreitwertGerichtsgebühr
keine genauen Anhaltspunkte, Auffangwert (§ 52 Abs. 2 GKG)5.000 €511,50 €
Niederlassungserlaubnis, eine Person7.500 €714,00 €
Einbürgerung, eine Person10.000 €849,00 €
Wohngeld, BAföG, Jugendhilfeentfälltkeine (§ 188 VwGO)

Werte nach der Gebührentabelle zum GKG und dem Streitwertkatalog 2025 (Nr. 8.1.1 und 42.1). Nimmst du die Klage zurück, fällt nur eine statt drei Gebühren an (Nr. 5111 KV GKG). Bei Erledigung gilt das nur, wenn das Gericht nicht streitig über die Kosten entscheiden muss, etwa weil die Behörde die Kosten übernimmt.

Wer am Ende zahlt: Durftest du vor der Klage mit einer Entscheidung rechnen, trägt die Behörde die Kosten (§ 161 Abs. 3 VwGO). Erledigt sich die Sache, verteilt das Gericht die Kosten nach billigem Ermessen (§ 161 Abs. 2 VwGO).

Wer wenig Geld hat, kann Prozesskostenhilfe beantragen (§ 73a SGG, § 166 VwGO). Das Gericht prüft dafür deine wirtschaftlichen Verhältnisse und ob die Klage Aussicht auf Erfolg hat und nicht mutwillig ist. Für eine Beratung vorher gibt es Beratungshilfe: Was ein Anwalt kostet.

Nach der Klage: Entscheidung, Erledigung, neue Frist

Entscheidet die Behörde in deinem Sinn, ist die Hauptsache erledigt (§ 75 Satz 4 VwGO, § 88 Abs. 1 Satz 3 SGG). Du schreibst dem Gericht dann, dass du die Klage für erledigt erklärst.

Lehnt die Behörde ab, lies die Rechtsbehelfsbelehrung im Bescheid. Meist läuft dann ein Monat für Widerspruch oder Klage (§ 84 SGG, § 70 VwGO). Frag beim Gericht nach, ob du die laufende Klage fortführen kannst.

Fehlt dir in der Zwischenzeit das Geld zum Leben, wartest du nicht auf die Klage: Der Eilantrag beim Sozialgericht regelt die Lage vorläufig. Geht es um das Verhalten einzelner Beschäftigter, kommt die Dienstaufsichtsbeschwerde dazu.

Häufige Fragen

Ab wann kann ich Untätigkeitsklage erheben?
Nach drei Monaten ohne Entscheidung (§ 75 VwGO, § 88 Abs. 2 SGG). Nur über einen Antrag beim Sozialgericht, etwa beim Jobcenter oder der Rentenversicherung, musst du sechs Monate warten (§ 88 Abs. 1 SGG).
Was ist eine Untätigkeitsklage?
Eine Klage, mit der das Gericht die Behörde zu einer Entscheidung verpflichtet. Du brauchst sie, wenn über deinen Antrag oder Widerspruch ohne Grund nicht entschieden wird. Einen Widerspruch musst du vorher nicht einlegen.
Was kostet eine Untätigkeitsklage beim Verwaltungsgericht?
Drei Gerichtsgebühren nach dem Streitwert, beim Auffangwert von 5.000 € also 511,50 € (Nr. 5110 KV GKG). Sie werden mit der Klage fällig. Bei Wohngeld, BAföG und Jugendhilfe fallen keine Gerichtskosten an (§ 188 VwGO). Durftest du mit einer Entscheidung rechnen, trägt am Ende die Behörde die Kosten (§ 161 Abs. 3 VwGO). Beim Sozialgericht fallen für Versicherte und Leistungsberechtigte keine Gerichtskosten an.
Kann ich die Untätigkeitsklage ohne Anwalt einreichen?
Ja. Vor dem Verwaltungsgericht und dem Sozialgericht darfst du dich selbst vertreten (§ 67 Abs. 1 VwGO, § 73 Abs. 1 SGG). Die Geschäftsstelle nimmt die Klage auch zur Niederschrift auf.
Gibt es eine Frist für die Untätigkeitsklage?
Nein, eine Höchstfrist gibt es nicht (§ 89 SGG). Es gibt nur die Wartezeit von drei oder sechs Monaten, bevor du klagen darfst.
Wie lange dauert eine Untätigkeitsklage?
Eine feste Dauer gibt es nicht. Entscheidet die Behörde nach der Klage, ist das Verfahren erledigt. Hat sie einen zureichenden Grund, setzt ihr das Gericht eine Frist, die es verlängern kann (§ 75 Satz 3 VwGO, § 88 Abs. 1 Satz 2 SGG).
Muss ich die Untätigkeitsklage vorher androhen?
Nein, vorgeschrieben ist das nicht. Eine letzte Erinnerung mit Frist hilft trotzdem, vor allem beim Verwaltungsgericht wegen der Kosten. Muster 3 ist dafür.
Untätigkeitsklage gegen Jobcenter oder Krankenkasse: Was gilt?
Zuständig ist das Sozialgericht an deinem Wohnort, ohne Gerichtskosten. Klagen kannst du sechs Monate nach einem Antrag und drei Monate nach einem Widerspruch (§ 88 SGG). Seit 1. Juli 2026 heißt die Leistung des Jobcenters Grundsicherungsgeld; an diesen Fristen hat das nichts geändert.

Grundlagen

§§ 40, 52, 55a, 67, 70, 75, 81, 82, 161, 166, 188 VwGO · §§ 51, 57, 73, 73a, 84, 88, 89, 183 SGG · §§ 6, 52 GKG mit Nr. 5110, 5111 KV GKG und Anlage 2 · Streitwertkatalog für die Verwaltungsgerichtsbarkeit 2025 · VG Potsdam, Beschluss vom 20.10.2025, VG 9 K 1105/24 · BVerwG, Urteil vom 23.04.2019, 5 C 2.18 · Stand: Oktober 2026

Ben Ambros, Immobilienkaufmann
Ben Ambros · Immobilienkaufmann
13 Jahre Immobilienverwaltung in München (über 1.000 Wohnungen), heute Makler für Mehrfamilienhäuser in Murnau. Schreibt hier über das, was er früher selbst abgerechnet hat. Über Ben →
Zum Nachlesen: Verbraucherschutz.tv, Hallo München
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