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Gesundheit · Unfallversicherung

Berufsgenossenschaft: Widerspruch gegen den Bescheid und Verschlimmerungsantrag

Die Berufsgenossenschaft erkennt deinen Unfall oder deine Berufskrankheit nicht an, schätzt die Minderung der Erwerbsfähigkeit zu niedrig oder kürzt die Rente. Gegen den Bescheid kannst du widersprechen. Sind die Folgen später schlimmer geworden, beantragst du eine Neufeststellung.

Kurz gesagt: Gegen einen Bescheid der Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse hast du einen Monat ab Bekanntgabe (§ 84 SGG). Verletztenrente gibt es ab einer MdE von 20 Prozent, die über die 26. Woche nach dem Unfall hinaus besteht (§ 56 SGB VII). Sind die Folgen schlimmer geworden, beantragst du formlos die Neufeststellung; wesentlich ist eine Änderung der MdE um mehr als 5 Prozentpunkte (§ 48 SGB X, § 73 Abs. 3 SGB VII). Akteneinsicht und eine Auswahl unter mehreren Gutachtern stehen dir zu (§ 25 SGB X, § 200 Abs. 2 SGB VII).

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Stand: Oktober 2026 · Redaktion: Ben Ambros · Gesetze und Urteile unter „Grundlagen“ am Seitenende

Infografik: Bescheid der BG falsch? Ein Monat für den Widerspruch. Karte „Wann die BG Rente zahlt“ (§ 56 SGB VII): MdE ab 20 Prozent über die 26. Woche hinaus, Rente; mehrere Fälle je ab 10 Prozent, zusammen 20, Stützrente; unter 20 Prozent bei einem Fall, keine Rente; Folgen schlimmer, mehr als 5 Punkte, Neufeststellung. Schritte: Widerspruch binnen eines Monats, Akte anfordern, mit Arztberichten begründen.
Verletztenrente gibt es ab einer MdE von 20 Prozent über die 26. Woche hinaus (§ 56 SGB VII), Widerspruch binnen eines Monats (§ 84 SGG). Grafik: reklamo.ai

Widerspruch gegen die Berufsgenossenschaft: Frist und Form

Der Widerspruch muss einen Monat nach Bekanntgabe des Bescheids bei der Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse sein, die ihn erlassen hat (§ 84 SGG). Ein Brief gilt am vierten Tag nach der Aufgabe zur Post als bekannt gegeben (§ 37 Abs. 2 SGB X). Fehlt die Rechtsbehelfsbelehrung oder ist sie falsch, hast du ein Jahr (§ 66 SGG).

Will die Berufsgenossenschaft eine laufende Rente kürzen oder entziehen, muss sie dich vorher anhören (§ 24 SGB X). Dein Widerspruch gegen den Bescheid hat aufschiebende Wirkung, bis zur Entscheidung bleibt es also bei der bisherigen Rente (§ 86a Abs. 1 SGG). Das gilt nicht, wenn die Berufsgenossenschaft die sofortige Vollziehung eigens anordnet (§ 86a Abs. 2 Nr. 5 SGG). Für eine spätere Klage gegen die Kürzung gilt die aufschiebende Wirkung nicht mehr (§ 86a Abs. 2 Nr. 3 SGG); dann hilft ein Eilantrag beim Sozialgericht.

MdE und Verletztenrente: ab 20 Prozent

Die Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) sagt, wie stark die Unfallfolgen deine Arbeitsmöglichkeiten auf dem gesamten Gebiet des Erwerbslebens einschränken, nicht nur in deinem Beruf (§ 56 Abs. 2 SGB VII). Eine Verletztenrente gibt es, wenn die MdE mindestens 20 Prozent beträgt und über die 26. Woche nach dem Versicherungsfall hinaus andauert (§ 56 Abs. 1 SGB VII).

Die MdE ist nicht dasselbe wie der Grad der Behinderung. Stellt ein Rentenbescheid die MdE fest, gilt das zugleich als Feststellung des GdB; eine eigene Feststellung beim Versorgungsamt gibt es dann nur, wenn du ein Interesse daran glaubhaft machst, etwa wegen weiterer Erkrankungen (§ 152 Abs. 2 SGB IX). Dafür gibt es den Widerspruch gegen den GdB und den Verschlimmerungsantrag für den GdB.

Akteneinsicht und Gutachter: Was dir zusteht

Ob die MdE stimmt, steht meist im Gutachten und in den Stellungnahmen der beratenden Ärzte. Diese Unterlagen darfst du einsehen und dir als Kopie geben lassen (§ 25 SGB X). Fordere sie gleich mit dem Widerspruch an.

Widerspruch Berufsgenossenschaft: Vorlage als Word und PDF

Muster 1 wahrt die Frist und fordert die Akte an. Muster 3 ist die Begründung, wenn du die Unterlagen kennst. Unterschreib selbst; schreibst du für einen Angehörigen, leg eine Vollmacht bei. Wie ein Widerspruch allgemein aufgebaut ist, steht unter Widerspruch einlegen.

An die Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse aus dem Briefkopf, mit Aktenzeichen. Der Widerspruch muss binnen eines Monats ab Bekanntgabe dort sein. Schick ihn per Fax mit Sendebericht oder gib ihn gegen Eingangsstempel ab und behalte eine Kopie. Die Begründung reichst du nach, wenn du die Akte kennst (Muster 3).

Muster 1 · Widerspruch gegen den Bescheid der Berufsgenossenschaft, Begründung folgt

Betreff: Widerspruch gegen Ihren Bescheid vom [Datum des Bescheids], Aktenzeichen [Aktenzeichen der Berufsgenossenschaft]

Sehr geehrte Damen und Herren,

gegen Ihren Bescheid vom [Datum des Bescheids] lege ich Widerspruch ein. [Entscheidung im Bescheid: was die Berufsgenossenschaft entschieden hat, z. B. Sie haben die MdE nach meinem Arbeitsunfall vom 12.03.2026 mit 10 Prozent bewertet und eine Rente abgelehnt.]

Die Begründung reiche ich nach, sobald ich die Unterlagen kenne. …

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Schick die Begründung, wenn du die Akte und das Gutachten gelesen hast. Beschreib die Einschränkungen konkret und mit Zahlen, und leg Berichte deiner Ärzte bei, die sich dazu äußern. Nenn das Gutachten mit Namen und Datum.

Muster 3 · Begründung des Widerspruchs: MdE zu niedrig bewertet

Betreff: Begründung meines Widerspruchs vom [Datum des Widerspruchs], Aktenzeichen [Aktenzeichen der Berufsgenossenschaft]

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Gutachten von [Name und Fachgebiet des Gutachters] vom [Datum des Gutachtens] bewertet die Minderung der Erwerbsfähigkeit mit [MdE laut Gutachten] Prozent. Das wird den Folgen nicht gerecht.

[Einschränkungen: was du nicht mehr oder nur mit Schmerzen kannst, z. B. Ich kann den rechten Arm nur bis Schulterhöhe heben, beim Heben über 5 kg habe ich Schmerzen.]

[Fehlende Befunde: was das Gutachten nicht berücksichtigt, z. B. den MRT-Befund vom 14.05.2026 und den Bericht der Unfallklinik vom 20.06.2026.]

[Optional: Mehrere Gutachter zur Auswahl haben Sie mir vor dem Auftrag nicht benannt (§ 200 Abs. 2 SGB VII).]

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Verschlimmerungsantrag bei der BG: MdE neu feststellen lassen

Ist der Bescheid schon bestandskräftig und sind die Folgen seitdem schlimmer geworden, beantragst du eine Neufeststellung. Ändern sich die Verhältnisse wesentlich, muss die Berufsgenossenschaft neu entscheiden, zu deinen Gunsten ab dem Zeitpunkt der Änderung (§ 48 Abs. 1 SGB X). Bei der MdE ist eine Änderung nur wesentlich, wenn sie mehr als 5 Prozentpunkte beträgt; bei einer Rente auf unbestimmte Zeit muss sie länger als drei Monate andauern (§ 73 Abs. 3 SGB VII). Die höhere Rente gibt es ab dem Monat nach der Änderung (§ 73 Abs. 1 SGB VII).

Die Berufsgenossenschaft bewertet die Folgen dabei neu. Hat sich etwas gebessert, kann sie die Rente für die Zukunft auch senken (§ 48 Abs. 1 Satz 1 SGB X). Geht es nicht um eine neue Verschlimmerung, sondern um einen alten Fehler, ist der Überprüfungsantrag nach § 44 SGB X der richtige Weg.

An die Berufsgenossenschaft, die den letzten Bescheid erlassen hat. Leg aktuelle Befunde in Kopie bei, die Originale behältst du. Ein Formular brauchst du nicht; schickt die Berufsgenossenschaft einen Fragebogen, füllst du ihn zusätzlich aus. Versand per Fax mit Sendebericht oder Einwurf-Einschreiben.

Muster 2 · Verschlimmerungsantrag: Neufeststellung der MdE bei der Berufsgenossenschaft

Betreff: Antrag auf Neufeststellung wegen Verschlimmerung, Aktenzeichen [Aktenzeichen der Berufsgenossenschaft]

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Bescheid vom [Datum des letzten Bescheids] haben Sie die Folgen meines [Arbeitsunfalls vom … / meiner Berufskrankheit Nr. …] mit einer Minderung der Erwerbsfähigkeit von [bisherige MdE] Prozent bewertet.

Seitdem haben sich die Folgen wesentlich und dauerhaft verschlimmert: [Verschlimmerung: was sich seitdem geändert hat, z. B. seit Juni 2026 Arthrose im rechten Knie, Gehstrecke unter 500 Meter, Operation am 03.09.2026].

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Widerspruch abgelehnt: Klage beim Sozialgericht

Hilft die Berufsgenossenschaft dem Widerspruch nicht ab, entscheidet eine Widerspruchsstelle, die ihre Vertreterversammlung bestimmt hat (§ 85 SGG). Bleibt es beim Nein, klagst du binnen eines Monats nach Bekanntgabe des Widerspruchsbescheids beim Sozialgericht (§ 87 SGG). Für Versicherte ist das Verfahren gerichtskostenfrei (§ 183 SGG). Auf deinen Antrag muss das Gericht einen Arzt deiner Wahl als Gutachter hören; die Kosten musst du unter Umständen vorschießen und tragen (§ 109 SGG).

Entscheidet die Berufsgenossenschaft über einen Antrag sechs Monate lang nicht oder über den Widerspruch drei Monate lang nicht, ist eine Untätigkeitsklage möglich (§ 88 SGG). Ist die Widerspruchsfrist verpasst, bleibt der Überprüfungsantrag, mit Leistungen bis zu vier Jahre rückwirkend (§ 44 SGB X).

Häufige Fragen

Wie lange habe ich für den Widerspruch gegen die Berufsgenossenschaft Zeit?
Einen Monat ab Bekanntgabe (§ 84 SGG). Ein Brief gilt am vierten Tag nach der Aufgabe zur Post als bekannt gegeben. Fehlt die Rechtsbehelfsbelehrung oder ist sie falsch, verlängert sich die Frist auf ein Jahr (§ 66 SGG).
Ab welcher MdE zahlt die Berufsgenossenschaft eine Rente?
Ab 20 Prozent, wenn die Minderung über die 26. Woche nach dem Unfall hinaus besteht (§ 56 SGB VII). Bei mehreren Versicherungsfällen mit je mindestens 10 Prozent zählen die Werte zusammen.
Gibt es für den Verschlimmerungsantrag bei der BG ein Formular?
Nein, ein Formular ist nicht vorgesehen. Ein formloser Brief mit Aktenzeichen, Beschreibung der Verschlimmerung und Befunden reicht (Muster 2). Schickt dir die Berufsgenossenschaft danach einen eigenen Fragebogen, füllst du ihn aus.
Ab wann gilt eine Verschlimmerung als wesentlich?
Wenn sich die MdE um mehr als 5 Prozentpunkte ändert und das bei einer Rente auf unbestimmte Zeit länger als drei Monate anhält (§ 73 Abs. 3 SGB VII). Die höhere Rente gibt es ab dem Monat nach der Änderung.
Darf ich den Gutachter selbst aussuchen?
Ja, aus einer Auswahl. Die Berufsgenossenschaft soll dir vor dem Auftrag mehrere Gutachter nennen (§ 200 Abs. 2 SGB VII). Einen Arzt deiner Wahl kannst du im Klageverfahren nach § 109 SGG beantragen.
Ist die MdE dasselbe wie der Grad der Behinderung?
Nein. Die MdE bewertet die Unfallfolgen für die Unfallversicherung, der GdB alle Behinderungen. Steht die MdE in einem Rentenbescheid, gilt sie zugleich als GdB, außer du machst ein Interesse an einer eigenen Feststellung glaubhaft (§ 152 Abs. 2 SGB IX).
Kostet der Widerspruch etwas?
Nein. Für das Verfahren bei der Berufsgenossenschaft werden keine Gebühren erhoben (§ 64 SGB X), und vor dem Sozialgericht zahlen Versicherte keine Gerichtskosten (§ 183 SGG). Kosten entstehen nur für einen Anwalt oder ein Gutachten nach § 109 SGG.

Grundlagen

§§ 56, 62, 73, 200 SGB VII · §§ 24, 25, 37, 44, 48, 64, 76 SGB X · § 19 SGB IV · §§ 66, 84, 85, 86a, 87, 88, 109, 183 SGG · § 152 Abs. 2 SGB IX · Stand: Oktober 2026

Ben Ambros, Immobilienkaufmann
Ben Ambros · Immobilienkaufmann
13 Jahre Immobilienverwaltung in München (über 1.000 Wohnungen), heute Makler für Mehrfamilienhäuser in Murnau. Schreibt hier über das, was er früher selbst abgerechnet hat. Über Ben →
Zum Nachlesen: Verbraucherschutz.tv, Hallo München
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