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Behörde · Sozialamt

Bestattungskosten vom Sozialamt: Antrag nach § 74 SGB XII, Einkommensgrenze, Muster

Ein Angehöriger ist gestorben, und die Rechnung des Bestatters liegt bei dir. Kannst du sie nicht bezahlen, übernimmt das Sozialamt die erforderlichen Kosten. Es kommt darauf an, was dir zuzumuten ist, nicht darauf, ob der Verstorbene Sozialhilfe bekam.

Kurz gesagt: Das Sozialamt übernimmt die erforderlichen Kosten einer Bestattung, soweit sie dir als Verpflichtetem nicht zuzumuten sind (§ 74 SGB XII). Verpflichtet sind vor allem die Erben und die Angehörigen, die das Bestattungsgesetz des Landes zur Bestattung verpflichtet. Als Maßstab gilt die Einkommensgrenze: 2026 sind das 1.126 € plus angemessene Miete plus 395 € für den Ehepartner und jede Person, die du überwiegend unterhältst (§ 85 SGB XII). Den Antrag stellst du formlos, am besten vor dem Auftrag an den Bestatter (Muster 1).

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Stand: Oktober 2026 · Redaktion: Ben Ambros · Gesetze und Urteile unter „Grundlagen“ am Seitenende

Infografik: Bestattung nicht bezahlbar? Das Sozialamt kann übernehmen. Karte Einkommensgrenze 2026, § 85 SGB XII: Grundbetrag, das Doppelte der Regelbedarfsstufe 1, 1.126 €; plus Miete, soweit angemessen; plus Familienzuschlag je Partner und unterhaltene Person, 395 €; Einkommen darunter, Kosten nicht zuzumuten, Amt übernimmt. Schritte: Kostenvoranschlag holen, Antrag stellen, Belege nachreichen.
Liegt dein Einkommen unter der Einkommensgrenze, ist dir nicht zuzumuten, die Bestattungskosten zu tragen (§§ 74, 85 SGB XII). Grafik: reklamo.ai

Wann zahlt das Sozialamt die Bestattungskosten?

Wenn zwei Dinge zusammenkommen: Du musst die Kosten tragen, und du kannst sie nicht tragen. Im Gesetz heißt es: Die erforderlichen Kosten einer Bestattung werden übernommen, soweit den hierzu Verpflichteten nicht zugemutet werden kann, die Kosten zu tragen (§ 74 SGB XII). Ob der Verstorbene selbst Sozialhilfe bekam, spielt dafür keine Rolle.

Hast du die Bestattung organisiert, ohne verpflichtet zu sein, etwa als Freundin oder Nachbar, hilft dir § 74 SGB XII nicht.

Einkommensgrenze 2026: Wann dir die Kosten nicht zuzumuten sind

Für Hilfen wie diese nennt das Gesetz eine Einkommensgrenze (§ 85 SGB XII). Liegt dein Einkommen zusammen mit dem deines Ehe- oder Lebenspartners darunter, ist dir nicht zuzumuten, die Kosten aus dem Einkommen zu zahlen. 2026 setzt sie sich so zusammen:

Baustein2026
Grundbetrag, das Doppelte der Regelbedarfsstufe 1 von 563 €1.126 €
Kosten der Unterkunft, soweit angemessendeine Miete
Familienzuschlag für den Ehe- oder Lebenspartner und jede Person, die du überwiegend unterhältst395 € je Person

2025 galten dieselben Beträge, weil der Regelbedarf gleich blieb.

Beispiel: Anna Beispiel lebt allein und zahlt 520 € Miete. Ihre Grenze liegt bei 1.126 € plus 520 €, also bei 1.646 €. Hat sie ein Einkommen von 1.500 € im Monat, muss sie aus dem Einkommen nichts beisteuern. Liegt das Einkommen über der Grenze, kann das Sozialamt einen angemessenen Teil des Betrags darüber verlangen (§ 87 Abs. 1 SGB XII). Einen amtlichen Rechner dafür gibt es nicht, das Amt entscheidet im Einzelfall.

Vermögen zählt mit. Geschützt sind unter anderem kleinere Barbeträge und ein angemessenes Haus, das du selbst bewohnst (§ 90 Abs. 2 SGB XII). Wäre der Einsatz eine Härte, bleibt das Vermögen ebenfalls frei (§ 90 Abs. 3 SGB XII).

Erforderliche Kosten: Was das Sozialamt übernimmt

Übernommen wird, was für die Bestattung erforderlich ist. Dazu gehören die Leistungen, ohne die sie nicht stattfinden kann, etwa Sarg oder Urne, Überführung, Einäscherung, Grabstelle und die Gebühren des Friedhofs. Was im Einzelfall erforderlich ist, prüft das Sozialamt.

Bei Grabstein, Blumen, Traueranzeigen oder einer Bewirtung frag vor dem Auftrag, ob und bis zu welchem Betrag das Sozialamt sie übernimmt. Hol einen Kostenvoranschlag und reich ihn mit dem Antrag ein. Dann kann das Amt dir vorher sagen, womit du rechnen kannst. Was über das Erforderliche hinausgeht, zahlst du selbst.

Antrag auf Übernahme der Bestattungskosten: wann, wo, womit

Wann: so früh wie möglich, am besten bevor du den Bestatter beauftragst. Ein formloser Brief reicht, denn Sozialhilfe setzt ein, sobald das Sozialamt von deinem Bedarf erfährt (§ 18 Abs. 1 SGB XII). Schickt es dir danach sein Formular, füll es aus. Ist die Bestattung schon vorbei oder die Rechnung schon da, stell den Antrag trotzdem sofort.

Wo: beim Sozialamt, das dem Verstorbenen bis zum Tod Sozialhilfe gezahlt hat. Bekam er keine, ist das Sozialamt am Sterbeort zuständig (§ 98 Abs. 3 SGB XII). Das ist nicht unbedingt dein Wohnort. Landet der Antrag beim falschen Amt, muss es ihn weiterleiten, und es zählt der Tag, an dem das erste Amt davon erfuhr (§ 18 Abs. 2 SGB XII).

Unterlagen: Sterbeurkunde, Kostenvoranschlag oder Rechnung des Bestatters, Gebührenbescheid des Friedhofs, Nachweise zu deinem Einkommen, Vermögen und deiner Miete, dazu was du über den Nachlass weißt: Kontostand, Versicherungen, Testament. Fehlt etwas, schick den Antrag trotzdem und reich es nach.

Erbe ausschlagen? Ist der Nachlass überschuldet, kannst du das Erbe ausschlagen; die Frist dafür ist kurz (Erbausschlagung). Als Erbe musst du die Bestattung dann nicht mehr bezahlen. Verpflichtet dich das Bestattungsgesetz, bleibt der Antrag beim Sozialamt dein Weg. Hatte der Verstorbene eine Mietwohnung, hilft dir die Seite zum Mietvertrag im Todesfall.

Antrag Bestattungskosten Sozialamt: Muster als Word und PDF

Muster 1 ist der Antrag, vor oder nach der Bestattung. Muster 2 bittet den Bestatter, mit der Zahlung zu warten, bis das Sozialamt entschieden hat. Muster 3, der Widerspruch gegen eine Ablehnung oder Kürzung, steht weiter unten. Sind mehrere verpflichtet, etwa mehrere Kinder, nenn sie im Antrag mit Anschrift.

An das Sozialamt, das dem Verstorbenen zuletzt Sozialhilfe gezahlt hat, sonst an das Sozialamt am Sterbeort. Am besten vor dem Auftrag an den Bestatter, mit Kostenvoranschlag. Leg Sterbeurkunde, Rechnungen und Nachweise zu Einkommen, Vermögen und Miete bei; fehlt etwas, reich es nach. Versand per Fax mit Sendebericht oder Abgabe gegen Eingangsstempel.

Muster 1 · Antrag auf Übernahme der Bestattungskosten nach § 74 SGB XII

Betreff: Antrag auf Übernahme der Bestattungskosten nach § 74 SGB XII für [Name der verstorbenen Person], gestorben am [Sterbedatum]

Sehr geehrte Damen und Herren,

am [Sterbedatum] ist [Name der verstorbenen Person], zuletzt wohnhaft in [letzte Anschrift der verstorbenen Person], in [Sterbeort] gestorben. Ich bin [Verhältnis, z. B. ihre Tochter] und beantrage die Übernahme der erforderlichen Bestattungskosten nach § 74 SGB XII.

Zur Bestattung verpflichtet bin ich als [Grund der Pflicht, z. B. Erbin / Erbe / Angehörige nach dem Bestattungsgesetz des Landes / Angehöriger nach dem Bestattungsgesetz des Landes].

[Optional: Das Erbe habe ich am [Datum der Ausschlagung] beim Nachlassgericht [Ort des Nachlassgerichts] ausgeschlagen. Die Erklärung liegt bei.]

Die Kosten betragen nach [Beleg, z. B. dem Kostenvoranschlag / der Rechnung] von [Name des Bestattungsunternehmens] insgesamt [Betrag] €. Dazu kommen Gebühren des Friedhofs von [Betrag der Friedhofsgebühren] €.

Aus meinem Einkommen und Vermögen kann ich diese Kosten nicht tragen. Mein Einkommen beträgt [Einkommen] € im Monat, meine Miete [Miete] €. [Vermögen, z. B. Einsatzfähiges Vermögen habe ich nicht. / Ich habe Ersparnisse von 800 €.] Aus dem Nachlass stehen [Betrag aus dem Nachlass, z. B. keine Mittel / 350 €] zur Verfügung.

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An den Bestatter, sobald die Rechnung kommt und das Sozialamt noch nicht entschieden hat. Leg eine Kopie deines Antrags bei. Einen Anspruch auf Aufschub hast du nicht, deshalb bitte freundlich und nenn den Stand. Ein Brief oder eine E-Mail genügt.

Muster 2 · Bitte an das Bestattungsunternehmen um Zahlungsaufschub

Betreff: Ihre Rechnung Nr. [Rechnungsnummer] vom [Datum der Rechnung] für die Bestattung von [Name der verstorbenen Person]: Bitte um Zahlungsaufschub

Sehr geehrte Damen und Herren,

für die Bestattung von [Name der verstorbenen Person] haben Sie mir am [Datum der Rechnung] [Betrag] € in Rechnung gestellt.

Ich kann den Betrag nicht aus eigenen Mitteln zahlen. Deshalb habe ich am [Datum des Antrags] beim Sozialamt [Name des Sozialamts] die Übernahme der Kosten nach § 74 SGB XII beantragt. Eine Kopie des Antrags liegt bei.

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Sozialamt lehnt ab oder kürzt: So widersprichst du

Gegen den Bescheid hast du einen Monat ab Bekanntgabe (§ 84 SGG). Per Post gilt er am vierten Tag nach dem Absenden als bekannt gegeben (§ 37 Abs. 2 SGB X). Typische Streitpunkte und was du einwendest:

Mehr zu Frist, Form und Akteneinsicht steht unter Widerspruch beim Sozialamt. Ist die Frist vorbei, bleibt der Überprüfungsantrag.

Innerhalb eines Monats an das Sozialamt, das den Bescheid erlassen hat. Unterschreiben und per Fax mit Sendebericht schicken oder gegen Eingangsstempel abgeben; eine einfache E-Mail reicht nicht. Willst du erst die Akte sehen, schick den Widerspruch trotzdem und reich die Begründung nach. Belege in Kopie beilegen.

Muster 3 · Widerspruch gegen die Ablehnung der Bestattungskosten

Betreff: Widerspruch gegen Ihren Bescheid vom [Datum des Bescheids] zu den Bestattungskosten für [Name der verstorbenen Person], Aktenzeichen [Aktenzeichen]

Sehr geehrte Damen und Herren,

gegen Ihren Bescheid vom [Datum des Bescheids], mit dem Sie die Übernahme der Bestattungskosten [Entscheidung, z. B. abgelehnt / nur zum Teil übernommen] haben, lege ich Widerspruch ein.

[Optional: Mein Einkommen liegt unter der Einkommensgrenze nach § 85 SGB XII. Nicht berücksichtigt haben Sie [fehlender Baustein, z. B. meine Miete / den Familienzuschlag für meinen Ehemann]. Richtig gerechnet liegt die Grenze bei [Einkommensgrenze] €, mein Einkommen bei [Einkommen] €.]

[Optional: Die Kosten sind erforderlich. [Begründung, z. B. Das Bestattungsunternehmen ist das günstigste von drei angefragten, die Angebote liegen bei.]]

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Häufige Fragen

Gibt es 2026 eine Einkommensgrenze für die Bestattungskosten beim Sozialamt?
Ja. Sie liegt 2026 bei 1.126 € plus angemessener Miete plus 395 € für den Ehe- oder Lebenspartner und jede Person, die du überwiegend unterhältst (§ 85 SGB XII). 2025 galten dieselben Beträge. Liegst du darüber, musst du einen angemessenen Teil selbst tragen (§ 87 SGB XII).
Gibt es einen Rechner für die Bestattungskosten vom Sozialamt?
Einen amtlichen nicht. Die Grenze rechnest du selbst aus: 1.126 € plus deine Miete plus 395 € je Partner oder überwiegend unterhaltener Person. Was darüber liegt, darf das Amt nur in angemessenem Umfang heranziehen, nicht automatisch ganz.
Müssen Geschwister die Bestattungskosten zahlen?
Ja, wenn sie Erben sind oder das Bestattungsgesetz des Landes sie zur Bestattung verpflichtet. Können sie die Kosten nicht tragen, können sie wie jeder andere Verpflichtete die Übernahme beim Sozialamt beantragen. Sind mehrere Geschwister verpflichtet, nenn im Antrag alle.
Reicht ein formloser Antrag, oder brauche ich ein Formular?
Formlos reicht. Das Sozialamt muss tätig werden, sobald es von deinem Bedarf erfährt (§ 18 SGB XII). Schickt es dir danach sein Formular, füll es aus und gib es bald zurück.
Welches Sozialamt ist zuständig?
Das Amt, das dem Verstorbenen bis zuletzt Sozialhilfe gezahlt hat, sonst das am Sterbeort (§ 98 Abs. 3 SGB XII). Bekam er keine Sozialhilfe und starb im Krankenhaus einer anderen Stadt, ist also das Sozialamt dort zuständig.
Zahlt das Sozialamt auch Grabstein und Trauerfeier?
Nur soweit sie erforderlich sind (§ 74 SGB XII). Frag vor dem Auftrag nach, ob und bis zu welchem Betrag. Was mehr kostet, trägst du selbst.
Ich bekomme Grundsicherungsgeld. Zahlt dann das Jobcenter die Bestattung?
Nein. Auch dann stellst du den Antrag nach § 74 SGB XII beim Sozialamt. Leg den aktuellen Bescheid des Jobcenters als Nachweis über dein Einkommen bei.

Grundlagen

§§ 18, 74, 85, 87, 90, 98 SGB XII · Anlage zu § 28 SGB XII (Regelbedarfsstufen 2025 und 2026) · § 1968 BGB · Bestattungsgesetze der Länder · § 25, § 37 Abs. 2 SGB X · § 84 SGG · Stand: Oktober 2026

Ben Ambros, Immobilienkaufmann
Ben Ambros · Immobilienkaufmann
13 Jahre Immobilienverwaltung in München (über 1.000 Wohnungen), heute Makler für Mehrfamilienhäuser in Murnau. Schreibt hier über das, was er früher selbst abgerechnet hat. Über Ben →
Zum Nachlesen: Verbraucherschutz.tv, Hallo München
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